Vorgestern war im Seminar für Filmwissenschaft der Universität Zürich Vernissage: Monika Obermayr zeigt „Buster Keaton / Len Lye — Digitale Collagen“, die sie aus Buster Keatons Stummfilm „Balloonatic“ von 1923 und aus Len Lyes farbigem Experimentalfilm „A Colourbox“ von 1935 zusammenfügt. Buster Keatons Schwarzweissbilder bekommen in der Kombination eine expressive Farbigkeit.

Ausgangspunkt für Monika Obermayrs „Buster Keaton / Len Lye — Digitale Collagen“ ist ein Forschungsseminar von Margrit Tröhler an der Universität Zürich im Herbstsemester 2015: Unter dem Titel „Stummfilm-Burleske: Körpersprache und kinematische Präsenz“ beschäftigten sich die SeminarteilnehmerInnen mit genderspezifischer Körperlichkeit, Bewegung und burlesker Akrobatik im Stummfilm. Anhand des Buster-Keaton-Films „Balloonatic“ führte die Zürcher Künstlerin ihre Forschungsarbeit auf einer künstlerischen Ebene weiter.

Buster Keatons „Balloonatic“ (USA 1923) diente als Ausgangsmaterial für die digitalen Collagen von Monika Obermayr.

Buster Keaton (1895 – 1966) — der Mann, der niemals lachte — ist mit seiner steinernen Miene ein Ikone des Stummfilms. Sein blasses, schmallippiges Gesicht ist deshalb auch eine ideales Bildzitat. Sein Film „Balloonatic“ ist aber noch aus einem anderen Grund eine interessante Bildquelle für die Künstlerin Monika Obermayr, die sich bildnerisch mit dem Verhältnis Mann – Frau, Männerrolle – Frauenrolle auseinandersetzt: Keatons Filmpartnerin Phyllis Haver spielt – im Gegensatz zu anderen Stummfilmen – nicht nur die Angebetete, sondern eine aktive, eigenständige Rolle.

Die expressive Farbe in Obermayr Collagen stammt aus einer anderen filmischen Bildquelle: Len Lye (1901 – 1980) war ein neuseeländischer Künstler und Pionier des Farbfilms.

Highlight-Mix aus Len Lyes Experimentalfilmen „Kaleidoscope“, „A Colour Box“ und „Colour Flight“ (UK 1935-37) auf Youtube — „A Colourbox“ (UK 1935) lieferte die Farbe für die digitalen Collagen von Monika Obermayr.

Ein Blick auf die Homepage von Monika Obermayr zeigt, dass die im filmwissenschaftlichen Seminar ausgestellten „Digitalen Collagen“ eine konsequente Fortsetzung ihrer künstlerischen Arbeit sind: Waren frühere Arbeiten noch geometrisch streng verwobene Collagen, sind in den aktuellen Werken die Übergänge zwischen den verarbeiteten Bildelementen fliessender, freier, lockerer… Und die Spannung zwischen dem Schwarzweiss aus dem kontrastreichen Buster-Keaton-Film und der expressiven Farbe aus dem Experimentalfilm von Len Lye bringt einen zusätzlichen Reiz in die Collagen von Obermayr. Die serielle Hängung der oft quadratischen Digitalprints, die auf Aluplatten aufgezogen sind, passt gut zum filmischen Charakter des verwendeten Bildmaterials und zum Ort der Ausstellung. Buster Keaton / Len Lye — Digitale Collagen von Monika Obermayr — eine kleine, aber feine und sehr sehenswerte Ausstellung in den Gängen des Seminars für Filmwissenschaft in Zürich-Oerlikon.

⇒ Die Ausstellung von Monika Obermayr Buster Keaton / Len Lye — Digitale Collagen (Begleitblatt als PDF) dauert noch bis 30. März 2018 und ist Montag bis Freitag, von 10 bis 17 Uhr öffentlich zugänglich.
⇒ Das Seminar für Filmwissenschaft befindet sich im 2. Stock an der Affolternstrasse 56 in 8050 Zürich (200 m vom Bahnhof Oerlikon)
⇒ Das Seminar für Filmwissenschaft auf stories & places.

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