Wenn über dem Mittelland Hochnebel liegt, muss man in die Höhe fahren, um etwas Sonne zu erhaschen. Dazu braucht es etwas Vorbereitung und meist etwas Geduld, aber wenn es klappt, ist es immer wieder ein grossartiges Erlebnis, aus der Nebelsuppe aufzutauchen und die wärmende Wintersonne zu geniessen. Letzten Sonntag war es wieder einmal soweit.

Aber Achtung! Zuerst muss man sich schlau machen, ob über dem Hochnebel tatsächlich die Sonne scheint, denn es kommt vor, dass darüber eine weitere Wolkenschicht die Sonne und den blauen Himmel abdeckt (vgl. Doppelter Hochnebel). Dann sollte man abklären, ob die angepeilte Sonnen-Destination über der Nebelgrenze ist und ob der Nebel steigt oder sinkt. Hilfreich sind die zahlreichen Webcams, die live zeigen, wie weit hinauf der Nebel reicht. Schliesslich gilt es, das Zeitbudget und die Fahrpläne in Einklang zu bringen, denn je höher die Sonnen-Destination, desto weiter, komplizierter und teurer ist es an die Sonne zu fahren — die Zahl der mit öV erreichbaren Orte ist beschränkt.

Hat man sich dann einmal aufgemacht, braucht es an der Talstation der Bahn, die einem an die Sonne bringt, meist ziemlich Geduld, denn selbstverständlich haben viele andere dieselbe Idee. Der Andrang ist gross. Aber letzten Sonntag liessen wir uns von solchen Aussichten nicht abschrecken. Wir fuhren zur nächsten Sonnen-Destination, zumal es schon bald Mittag war. An der Talstation der Pilatus-Bahnen hatte die Warteschlange noch eine erträgliche Länge. Wir fuhren bis zur Krienseregg (1026 m.ü.M.), die am Morgen noch an der Nebelgrenze lag, doch inzwischen war der Nebel gestiegen. Die Rösti im Naturfreundehaus war ausgezeichnet. Frisch gestärkt, stiegen wir durch den Wald aufwärts. Der Nebel waberte, die Sonne drückte. Und so gegen 1200 m.ü.M. erreichten wir die Nebelgrenze — ein erhebendes Gefühl! Wir genossen die Wintersonne und die Aussicht aufs Nebelmeer. Richtung Fräkmüntegg wirçd’s im Januar schon bald „überschiinig“ — eine schweizerdeutsche Beschreibung von Orten, an denen es die Sonne wegen der Berge gar nicht über den Horizont schafft oder schon um 14 Uhr wieder dahinter verschwindet. Die Fräkmüntegg (1416 m.ü.M.), die Umsteigestation von der Gondelbahn zur Luftseilbahn auf den Pilatus, ist ein solcher Ort: Schon um 15 Uhr verschwindet da Sonne wieder hinter den Bergen. Die Aussicht ist zwar toll, aber am Schatten ist’s doch recht kalt, dass wir entschliessen wieder talwärts zu fahren. Kurz, aber schön war’s!

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