Wer die US-Wahlen verfolgt hat, war immer mit diesen rot und blau eingefärbten USA-Karten konfrontiert. Und ich habe mich immer wieder geärgert, wie undifferenziert diese Karten sind. Bis auf wenige Clinton-blau eingefärbte Staaten sind die meisten Staaten Trump-rot. Das ist zwar eine korrekte Darstellung des Wahlresultats, denn ausser in Maine und Nebrasca gilt: Der Gewinner bekommt alle Elektorenstimmen. Dennoch täuschen diese Karten darüber hinweg, dass Hillary clinton landesweit mehr Stimmen bekommen hat als Donald Trump — und ich jedenfalls würde gerne etwas genauer wissen wer wo wen gewählt hat.

Diese Karte zeigt wenigstens die Kürzel der Staaten und die Zahl ihrer Elektoren. Ausserdem sieht man, dass zwei Tage nach der Wahl drei Staaten (grau) noch nicht fertig ausgezählt sind  und dass die Stimmen in Maine (gestreift) gesplittet werden (3 Dem. / 1 Rep.).

Diese Karte zeigt wenigstens die Kürzel der Staaten und die Zahl ihrer Elektoren. Ausserdem sieht man, dass zwei Tage nach der Wahl drei Staaten (grau) noch nicht fertig ausgezählt sind und dass die Stimmen in Maine (gestreift) gesplittet werden (3 Dem. / 1 Rep.).

Schon etwas aufschlussreicher ist diese Darstellung:

Bei dieser Darstellung entspricht jede Wabe einer Elektorenstimme. Die Fläche eines Staates in dieser Darstellung ist proportional zur Anzahl Wahlmänner bzw. zur Bevölkerung des jeweiligen Staats.

Bei dieser Darstellung entspricht jede Wabe einer Elektorenstimme. Die Fläche eines Staates in dieser Darstellung ist proportional zur Anzahl Wahlmänner bzw. zur Bevölkerung des jeweiligen Staats. Die bevölkerungsreichen Staaten an den Küsten wirken grösser als die bevölkerungsarmen Staaten im mittleren Westen. Dennoch überwiegt auch hier das Trump-Rot.

Stadt-Land-Graben

Frappiert war ich von einer Karte, die im Fernsehen gezeigt wurde. Sie analysiert das Wahlresultat feiner, nämlich auf der Ebene der Counties und zeigt einen Stadt-Land-Graben, der sich auftut zwischen einer Clinton wählenden urbanen Bevölkerung und einer ländlich und kleinstädtisch geprägten Bevölkerung, die überwiegend Trump wählte:

In dieser Darstellung des Wahlresultats auf County-Ebene sind nur noch einige Clinton-blaue Flecken auszumachen: Nur die grösseren US-Metropolen haben demokratisch gewählt, während ländliche Regionen fast durchs Band für Trump votierten. So sind auch  bevölkerungsreiche Staaten, die meist demokratisch wählen, wie New York oder Kalifornien mindestens teilweise ebenfalls Trump-rot.

In dieser Darstellung des Wahlresultats auf County-Ebene sind nur noch einige Clinton-blaue Flecken auszumachen: Nur die grösseren US-Metropolen haben demokratisch gewählt, während ländliche Regionen fast durchs Band für Trump votierten. So sind auch bevölkerungsreiche Staaten, die wie New York oder Kalifornien demokratisch wählen, teilweise ebenfalls Trump-rot.

Die Präsidentschaftswahl 2016 im Staat New York nach Counties

Die Präsidentschaftswahl 2016 im Staat New York nach Counties

Die WählerInnen von Hillary Clinton wohnen also tendenziell in den grösseren Städten, während die WählerInnen von Donald Trump übers ganze Land verstreut sind. Exemplarisch lässt sich das an den County-Resultaten im Staat New York aufzeigen: Blau eingefärbt sind die Stadt New York und ihr Umland sowie Counties mit grösseren und kleineren Städten (Buffalo, Rochester, Syracuse, Albany (Hauptstadt), Utica, Kingston etc.). Aber auch im demokratisch orientierten Staat New York überwiegt die Farbe Rot, weil 47 von 62 Counties republikanisch gewählt haben.

Am besten gefällt mir aber eine Karte, die die Wahlresulate auf County-Ebene kombiniert mit der Bevölkerungsdichte:

Auf dieser Karte erscheinen die bevölkerungsarmen Regionen des mittleren Westens nicht einfach als Trump-Land sondern als leere Fläche, dafür wird umso klarer, wo die Trump-WählerInnen tatsächlich wohnen: in den Kleinstädten des Rostgürtels (zwischen den grossen Seen und Pennsylvania) und des Bibelgürtels (evangelikal geprägte Staaten im Südosten der USA)

Auf dieser Karte erscheinen die bevölkerungsarmen Regionen des mittleren Westens nicht einfach als Trump-Land sondern als leere Fläche, dafür wird umso klarer, wo die Trump-WählerInnen tatsächlich wohnen: in den Kleinstädten des Rostgürtels (zwischen den grossen Seen und Pennsylvania) und des Bibelgürtels (evangelikal geprägte Staaten im Südosten der USA). (mapsontheweb.zoom-maps.com gibt als Quelle das Wall Street Journal an) mapsontheweb.zoom-maps.com

Noch ärgerlicher als undifferenzierte und wenig aussagekräftige Karten ist das eigentliche Wahlresultat: Von 119.6 Mio. Stimmen gehen 59.9 Mio. oder 47.7% an Hillary Clinton und 59.7 Mio. oder 47.5% an Donald Trump. Nach Stimmen gewinnt Hillary Clinton mit einer Differenz von gut 233000 Stimmen, bei den Elektoren allerdings liegt Trump mit 306 zu 232 Stimmen leider deutlich vorne.