In der Schweiz ist der Gotthard dieses Jahr ein Hype: Im Februar haben wir darüber abgestimmmt, ob wir für den Strassenverkehr eine zweite Röhre wollen. 57% waren leider dafür. Im Juni haben wir den Gotthard-Basistunnel feierlich eröffnet. Das 57 km lange Wunderwerk ist eine Meilenstein für den alpenquerenden Verkehr. Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember werden die meisten Züge untendurch fahren: Rund 260 Güterzüge und 65 Personenzüge brausen mit bis zu 200 km/h durch das neue Loch.

Von den Alpen wird man nur noch wenig mitbekommen, dafür verkürzt sich die Fahrt von Zürich nach Lugano zunächst um 25 Minuten, mit der für 2020 geplanten Eröffnung des Ceneri-Basistunnels dann um 45 Minuten. Wer künftig das technische Wunderwerk des 19. Jahrhunderts, die spektakuläre Bergstrecke mit ihren Kehrtunnels, Brücken und dem 15 km langen Scheiteltunnel erleben will, muss auf den Regio-Express zwischen Erstfeld und Bellinzona umsteigen oder den touristischen Gotthard-Panorama-Express nehmen.

S'Chileli vu Wasse — die legendäre Kirche von Wassen, die auf der Bergstrecke dreimal zu sehen ist, wird künftig mit dem neuen Gotthard-Basistunnel unterfahren.

S’Chileli vu Wasse — die legendäre Kirche von Wassen, die auf der Bergstrecke dreimal zu sehen ist, wird künftig mit dem neuen Gotthard-Basistunnel unterfahren.

Die Diskussion über die Zukunft der Bergstrecke hat schon vor einiger Zeit begonnen und ist längst nicht abgeschlossen: Zuerst wollten die SBB den Betrieb gänzlich einstellen, weil der Unterhalt dieser Strecke mit jährlichen Kosten von 50 Millionen Franken enorm teuer ist. Die Kantone Uri und Tessin überlegten sich, ob analog zur Albula- und Bernina-Linie der RhB eine Kandidatur als UNESCO-Weltkulturerbe sinnvoll wäre, und liessen 2009 eine Machbarkeitsstudie erstellen. Doch 2014 entschied der Bundesrat, dass die Bergstrecke weiter befahren wird, aber kein Weltkulturerbe werden soll. Die Gotthardregion und die Promotoren waren enttäuscht. Und jetzt hat sich auch noch die Südostbahn (SOB) um die Konzession der Bergstrecke beworben, die 2017 ausläuft. Die SBB sind also gefordert und müssen sich was einfallen lassen.

In Faido (TI) werden künftig nur noch der Regio-Express zwischen Erstfeld und Bellinzona und allenfalls der Gotthard-Panorama-Express halten, aber schon bis anhin hielten hier nicht mehr Züge.

In Faido (TI) werden künftig nur noch der Regio-Express zwischen Erstfeld und Bellinzona und allenfalls der Gotthard-Panorama-Express halten, aber schon bis anhin hielten hier nicht mehr Züge.

Ab Dezember beginnnen also Tessinferien nicht mehr automatisch mit der Fahrt über die Gotthard-Bergstrecke, mit leicht schadenfreudigen Blick auf die langen Staus vor dem Strassentunnel oder mit dem Ausschauhalten nach dem „Chileli vu Wasse“, das eine veritable Kirche und nicht nur ein Kirchlein ist, das ich aber — wie die allermeisten SchweizerInnen — nur vom Vorbeifahren kenne. Doch weiss man nie, wann man diese Kehrtunnels zum letzten Mal hoch- und wieder runterfährt. Deshalb habe ich zu Beginn unserer Sommerferien das legendäre Chileli fotografiert und auf als „Picture of the day“ auf Instagram gepostet.

Dieser Ausblick auf den Urnersee bleibt uns auch mit dem neuen Gotthard-Basistunnel erhalten — die aussichtreichere seeseitige Strecke (auf der Fahrt nach Norden) wird in den nächsten Jahren saniert.

Dieser Ausblick auf den Urnersee bleibt uns auch mit dem neuen Gotthard-Basistunnel erhalten — die aussichtreichere seeseitige Strecke (auf der Fahrt nach Norden) wird in den nächsten Jahren saniert.

⇒ Bilder unserer Tessinferien 2016 auf Instagram und nochmal auf Instagram
⇒ Das „Chileli vu Wasse“ auf stories & places

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