Übers Auffahrtswochenende sind wir für drei Tage nach Deutschland gefahren und haben uns in der Pfalz die Dom- und Kaiserstadt Speyer angeschaut. Fasziniert hat mich der Rhein, der hier schon recht breit ist, das grossartige Technik-Museum und die nicht besonders grosse, aber geschichtsträchtige Stadt Speyer. Ein Beitrag mit vielen Bildern.
Tag 1: Speyer — Stadt am Rhein
Unsere deutsche Freundin hat uns am „Hauptbahnhof“ abgeholt und ins Hotel gebracht. Nach dem Zimmerbezug hat sie uns die prächtige Flaniermeile gezeigt. Den Speyerer Dom, den wir bei unserem letzten Besuch eingehend besichtigt haben, haben wir links liegen gelassen und sind via Domgarten und Rheinstadion zum Alten Hafen hinuntergegangen. Am Helmut-Kohl-Ufer gibt es eine grosse Freizeitzone — Bewohner- und Besucher:innen von Speyer promenieren dem Rhein entlang und geniessen den freien Tag. Mich faszinierte der breite Fluss, der hier ganz ruhig vorbeiströmt und schon so breit ist, dass Brücken eher rar sind. Auch in helvetischen Gefilden kann man mit Schiffen rheinaufwärts oder -abwärts fahren oder mit einer Fähre den Fluss überqueren, aber hier ist der Rhein eine Wasserstrasse, auf der viele Güter und Passagiere transportiert werden.
- Auf der Rheinbrücke, der Verbindung zwischen dem baden-württembergischen Mannheim und dem rheinland-pfälzischen Ludwigshafen
- Die Maximilianstrasse vom Altpörtel zum Dom, die Via Triumphalis der Kaiserstadt Speyer, ist heute eine prächtige Fussgängerzone.
- Das Heidentürmchen, 1281 erbaut, ist neben dem Altpörtel der einzige von ehemals 21 Türmen des inneren Stadtmauerrings von Speyer.
- Wohnen am Wasser ist schick: In den den 90er Jahren wurde die Gewerbezone am alten Hafen zu einem exklusiven Wohngebiet sowie einer Marina umgenutzt.
- Der Aussenbezirk Speyer des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts Oberrhein, welches für den Rhein zwischen Basel und Mainz zuständig ist.
- Blick von der Einmündung des Speyerbach rheinabwärts — der Fluss ist hier eine wichtige Wasserstrasse für den Transport von Gütern und Passagieren.
- Das Viking-Hotelschiff «Hlin» — die nordische Göttin für Schutz und Herberge — ist unterwegs von Amsterdam nach Basel. Nächster Halt: Strasbourg.
- Den Dom zu Speyer — grösste erhaltene romanische Kirche der Welt und seit 1981 UNESCO-Weltkulturerbe, haben wir diesmal links liegen gelassen.
- 3 x Speyerer Dom: links das Modell und die romanische Südfassade, rechts die 1854 – 1858 entstandene Westfassade im neoromanischen Stil.
Tag 2: Technik Museum Speyer
Schon bei unserem letzten Besuch in Speyer war ich fasziniert vom Jumbo-Jet der über die Dächer von Speyer hinweg startet: Der metallene Riesenvogel, ein Exponat, das im Technik Museum Speyer auf Stelzen steht, wirkt von weitem, als wäre er beim Start eingefroren worden. Als die beiden Frauen, mit denen ich das verlängerte Wochenende verbrachte, einen Frauentag machen wollten, war für mich klar: Ich besichtige den ewig startenden Jumbo-Jet. Aber das Technik Museum Speyer ist nicht nur für Technik-Freaks ein tolles Museum: Dampflokomotiven, Oldtimer-Feuerwehrautos, Strassenfahrzeuge aller Art, Kampfflugzeuge, Düsenjets, Helikopter, kleine und mittelgrosse Schiffe — ja sogar ein U-Boot, eine russische Raumfähre und last but not least die ausrangierte Boeing 747 der Lufthansa ziehen Gross und Klein in ihren Bann. Hier kann man locker einen ganzen Tag verbringen.
- Bei schönem Wetter wirkt die Maximilianstrasse geradezu südländisch.
- In der Fussgängerzone geniessen viele das frühsommerliche Wetter und den freien Tag.
- Mit einer Friedenstaube am Stadthaus ruft Speyer zum Frieden auf…
- Vor dem Technik Museum Speyer starten vier Flugzeuge übers volle Parkfeld P1.
- Die Liller Halle im Zentrum des Geländes ist voll von Flug- und Fahrzeugen aller Art.
- Da ist z.B. das schwarz-rote Ungetüm, 1937 gebaut von der Lokomotivfabrik Krupp…
- … oder das auf Hochglanz polierte Feuerwehrauto vor einem Krokodil aus der Schweiz…
- … oder der 1964 gebaute Amphicar, mit dem sich auch der Ärmelkanal überqueren lässt…
- … oder eine BMW Isetta, wohl der kleinste BMW, der je gebaut wurde.
- Exotisch erscheint der Transrapid 04, ein elektromagnetisch schwebendes Testfahrzeug.
- Das Wasserflugzeug CL-215 Scooper von Canadair und der Rheinschlepper «Glarus».
- Die Vickers Viscount war das erste Verkehrsflugzeug mit Turboprop-Antrieb.
- Vor der denkmalgeschützten Liller Halle geht’s rauf zum ewig startenden Jumbojet.
- In der Boeing 747 kann man auch in den knapp mannshohen Frachtraum hinabsteigen…
- … oder auf den Flügel hinausgehen, was man sonst nur im Notfall tun würde.
- Die 747 startet über den ausgemusterten Schrott des letzten Jahrhunderts.
- Von einem Highlight zum nächsten: vom Lufthansa-Jumbo zur russischen Raumfähre.
- Russisches Space Shuttle Buran: Mit diesem Prototyp wurden Gleitflug und Landung erprobt.
- An der Decke der Raumfahrthalle hängt ein Modell der Internationalen Raumstation ISS.
- Blick ins Cockpit der russischen Raumfähre Buran — irgendwie faszinierend!
- Detailgetreu nachgebaut: Mondfähre, Mondauto sowie Raumanzüge von Apollo 17
Tag 3: Historischer Stadtrundgang
Die Kaiserstadt Speyer ist eine überaus geschichtsträchtige Stadt, wie Rundgang am dritten Tag unseres Aufenthalts eindrücklich zeigt. Unser Rundgang beginnt beim Altpörtel, einem 55 m hohen Turm am einen Ende der Maximilianstrasse. Geht man durch das Stadttor im Altpörtel, kommt man auf den Postplatz, wo die bayerische Regierung um die Jahrhundertwende (damals war die Pfalz ein bayerischer Landkreis) für die Oberpostdirektion einen Postpalast errichten liess. Heute ist das schlossartige, vom Historismus geprägte Gebäude entkernt und umgebaut in ein Einkaufszentrum mit (unserem) Hotel, Restaurant und Arztpraxen. Für den Rest des Rundgangs folgen wir plus minus einem Plänli mit Rundgangsempfehlung, das uns ein rühriger Mitarbeiter des Archäologischen Schaufensters in die Hand drückt. Unter anderem besuchen wir die Gedächtniskirche zur Erinnerung an die Protestation zu Speyer (der Reichstag zu Speyer 1529 war eine Geburtsstunde des Protestantismus), die barocke Dreifaltigkeitskirche, das historische Rathaus und den Kulturhof Flachsgasse, den Judenhof (die SchUM-Stätten Speyer, Worms und Mainz sind seit 2021 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes), das Kloster und die Kirche St. Magdalena (auch eine Gedenkstätte für die heilig gesprochen Edith Stein, die hier 1923 – 1931 als Lehrerin tätig war und 1942 in Auschwitz umgebracht wurde).
- Der 55 m hohe Altpörtel markiert den Übergang vom historischen Kern zur neuzeitlichen Vorstadt. Der untere Teil mit Stadttor entstand 1230 bis 1250.
- Die 1901 erbaute schlossartige Oberpostdirektion wurde ab 2012 zur «Postgalerie», einem Einkaufszentrum mit Hotel, umgebaut.
- Von 1893 bis 1904 entstand die neugotische Gedächtniskirche, die an die Protestation zu Speyer erinnert. Das Lutherdenkmal im Eingang und die Glasfenster…
- … erinnern an die Fürsten und Reichsstädte, die am Reichstag von 1529 dagegen protestierten, die begonnene Reformation rückgängig zu machen.
- Bronzedenkmal für den unbekannten Jakobspilger (vom Münchner Bildhauer Martin Mayer) vor der barocken Dreifaltigkeitskirche (1701-1717)
- Sehenswert ist das gut erhaltene Ritualbad (hebr. Mikwe) im Judenhof (seit 2021 sind die SchUM-Stätten UNESCO-Welterbe).
- Links: Speyer-Bach, rechts: Eingangstor zum 1228 gegründeten Kloster St. Magdalena (auch Gedenkstätte für Edith Stein)
- Der grossartige Blick aus dem Hotelzimmer im Dach der ehemaligen Oberpostdirektion über die Dächer der Altstadt reicht bis zum Speyrer Dom.
- Am Sonntag fahren wir mit der S-Bahn nordwärts nach Ludwigshafen (Bild) und Mannheim, wo wir den ICE zurück in die Schweiz besteigen.
Fazit
Die drei Tage in Speyer waren überaus abwechslungsreich und interessant. Uns hat es gut gefallen. Ein Wort zu unserem Hotel: Das Amedia Plaza Speyer am Rand der Altstadt ist gut gelegen, zahlbar und war für unsere Zwecke tipptopp. Etwas kompliziert ist die Gebäudestruktur: Das Hotel besteht aus zwei Trakten, die nur in den unteren Stockwerken miteinander verbunden sind, was die Orientierung erschwert. Hat man’s mal begriffen, findet sich die Rezeption und der Frühstücksraum fast von selbst…









































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