… muss er kommen — der Luzerner Verkehrsvogt! Was zu befürchten war, ist leider passiert: Der Luzerner Kantonsrat hat vorgestern gegen den Widerstand der Grünen und Linken einen Planungskredit von 6.5 Millionen Franken für die Detailplanung der Spange Nord gesprochen (vgl. Luzerner Zeitung vom 8.5.2018). Schlechte Nachrichten für einen NIMBY wie mich!

Einen Vormittag lang debattierte der Kantonsrat über den vierspurigen Autobahnzubringer mitten durch unser Quartier, um dann nach dem Mittagessen mit 80 zu 25 Stimmen den Kredit für dessen Planung zu bewilligen — und ich habe immer gemeint, unser Kanton müsse sparen… Doch der Kantonsrat mochte sich nicht voll und ganz hinter die Spange Nord stellen und verlangte mit 82 zu 25 Stimmen, dass die Regierung Alternativen, wie zum Beispiel ein Tunnel vom Schlossberg zum Knoten Sedel oder den Verzicht auf die umstrittenen Fluhmühlebrücke über die Reuss, sowie den Übungsabbruch prüfen muss. In meinen Augen nicht mehr als Augenwischerei: Die Untertunnelung unseres Quartiers würde ich zwar begrüssen, aber dieser — sicher sehr kostspielige — Ersatz einer bestehenden Verkehrsverbindung bringt der autofahrenden Kantonsbevölkerung keinen Zusatznutzen. Umgekehrt halbiert sich der „Nutzen“ der Spange Nord mit einem Verzicht auf die Brücke über die Reuss und der geplante Autobahnanschluss Lochhof wird zu einem Halbanschluss. Schliesslich: Warum gibt man 6.5 Millionen aus, um etwas zu planen, das am Schluss doch nicht gebaut wird?

«Mit dem Tunnel im Friedental erhalten die Toten die Ruhe,
die den Lebenden mit der Spange Nord vergönnt bleibt.»
Quartierbewohner am Protest gegen die Spange Nord

Einhellig beschloss der Kantonsrat, dass die betroffene Quartierbevölkerung besser informiert und in die Planung einbezogen werden soll — auch das eine Alibiübung sondergleichen, denn Informationsveranstaltungen und kosmetische Verbesserungen verhindern nicht, dass dieser vierspurige Autobahnzubringer unser Wohnquartier zerschneidet und zerstört. Die Proteste gegen die Spange Nord zeigen: Der Widerstand im Quartier formiert sich. Wir werden uns mit allen Mitteln gegen den Luzerner Verkehrsvogt zur Wehr setzen.

Die Spange Nord (rot) auf der interaktiven Karte der Quartiere der Stadt Luzern

«Nicht quartierverträglich»

Letztes Jahr hat der Stadtrat der Stadt Luzern die betroffenen Quartiervereine eingeladen, zum Vorprojekt der Spange Nord Stellung zu nehmen. Der Vorstand des Quartiervereins Luegisland hält eine grundsätzliche Ablehnung des Projektes für kontraproduktiv und will die Planung aktiv begleiten in der Annahme, dass das Grossprojekt trotz Widerstand umgesetzt werden wird (vgl. LiL 2017, S. 10f.). Alle anderen von der Spange Nord betroffenen Quartiervereine sowie der Verband der Quartiervereine der Stadt Luzern lehnen das Vorprojekt in der aktuellen Form als nicht quartierverträglich rundweg ab (vgl. Quartierzeitung Maihof, S. 30f., HochwachtPost, S. 4, sowie Medienmitteilung des VQSL). Aus diesen Stellungnahmen hat der Regierungsrat rein gar nicht übernommen.

«In der vorliegendenForm durchtrennt die Spange Nord
Wohnquartiere in einem inakzeptablen Ausmass.»
Verband der Quartiervereine der Stadt Luzern

Überall im Maihof-Quartier hängen die Protestplakate der Gegenbewegung Spange Nord

Widerstand formiert sich

Im Vorfeld der Debatte im Kantonsrat haben die Visualisierungen der Spange Nord durch die Grünen auf spange-nord-nein.ch nicht nur mich, sondern auch viele andere QuartierbewohnerInnen aufgescheucht. Unabhängig von den Quartiervereinen und von den Grünen entstand die Gegenbewegung Spange Nord, die mit ihrer Menschenkette auf dem Schulhausplatz, ihren einprägsamen Plakaten und ihrem Protest vor dem Kantonsratsgebäude für viel Aufsehen sorgte. Ich hoffe nur, dass dieser Quartierwiderstand gegen die Spange Nord nicht ein Strohfeuer bleibt, sondern einen langen Atem hat.

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