Heute sind wir mit dem Voralpenexpress nach Biberbrugg gefahren und über St. Meinrad nach Pfäffikon an den Zürichsee gewandert. Zwei Drittel unserer Wanderroute sind Teil des Jakobswegs nach Santiago de Compostela. Auf dem Wegabschnitt Rapperswil – Einsiedeln waren wir allerdings in der verkehrten Richtung unterwegs — und trafen deshalb zahlreiche Pilger und Pilgerinnen.

Zum Vergrössern auf die Karte klicken! Anreise mit dem Voralpenexpress oder der SOB nach Biberbrugg. Der Routenvorschlag für die 3½- bis 4-stündige Wanderung (in umgekehrter Richtung) stammt von der süddeutschen alpinen Wandergruppe: Biberbrugg – Altberg – Hinterhorben – Tüfelsbrugg – St. Meinrad – gestrichelte Variante via Etzel (1098 m.ü.M.) – Strickli – Luegeten – Pfäffikon (SZ). Der Abstieg vom Etzel ist steil — Wanderstöcke sind hilfreich. Rückreise ab Pfäffikon mit dem Voralpenexpress oder der SBB. Quelle der Basiskarte: map.geo.admin.ch

1 Biberbrugg — scheusslich, aber in einer lieblichen Landschaft

Biberbrugg ist nicht viel mehr als ein Verkehrsknotenpunkt.

Hier zweigen die Bahnlinie und die Strasse nach Einsiedeln, an den Sihlsee und in das Skigebiet Hoch Ybrig ab. Die ersten 400 Meter der Wanderung sind deshalb scheusslich. Doch nach der Überquerung der Alp — so heisst der Fluss, der vom Alpthal durch Einsiedeln fliesst — gewinnt man rasch an Höhe und den Überblick über eine „liebliche“ Landschaft:

Zum Vergrössern aufs Bild klicken! Zu sehen sind links Strasse und Bahnlinie nach Einsiedeln, dahinter Chatzenstrick und Nüsellstock, etwa in Bildmitte die Einfamilienhaussiedlung Schwyzerbrugg (das vorläufige Ende der Agglomeration Zürich, vgl. Die Schweiz ist ein Gartensitzplatz im Tages-Anzeiger vom 18.7.2011), dahinter die Rothenturmer Moorlandschaft und die Rigi, rechts der Verkehrsknotenpunkt Biberbrugg mit dem Sicherheitsstützpunkt des Kantons Schwyz (grosser Gebäudekomplex), dahinter die bewaldeten Hänge der Höhronen.

2 Altbergried — eine grossartige Moorlandschaft

Ist die Krete des Altbergs erreicht, öffnet sich der Blick in die andere Richtung auf ein Hochplateau mit Moorlandschaft:

Der Etzel und das Altbergried (hinter dem Bauernhof)

Herbstzeitlosen

Das Ried mit einem Entwässerungsgraben

Herbstliche Moorlandschaft mit Birken

3 Der Pilgerweg über die Tüfelsbrugg

Vom Hochplateau des Altbergs führt der Weg hinunter ins Sihltal.

Hier treffen wir eine erste Jakobspilgerin (mit Jakobsmuschel am Rucksack als Kennzeichen). Sie ist unterwegs von St. Meinrad nach Einsiedeln. Unten im Tal überquert die im 17. Jahrhundert erbaute, überdachte Tüfelsbrugg die Sihl, die am Druesberg entspringt und bis nach Zürich runterfliesst.

Ohne das Böse gibt es auch das Gute nicht: Ohne Tüfelsbrugg gelangen die Jakobspilger aus der Ostschweiz nie nach Einsiedeln und letztlich auch nicht nach Santiago…

4 Mittagessen auf St. Meinrad

Nach einem halbstündigen Aufstieg auf einer schmalen Asphaltstrasse erreichen wir das Gasthaus St. Meinrad, wo wir uns draussen an der Sonne statt des mitgeschleppten Picknicks ein Mittagsmenu (Tomatensuppe und Hirschpfeffer bzw. Kalbsbraten) sowie einen sauren Most genehmigen. Die Lederhosenkluft des österreichischen Gastroteams wirkt in den Schweizer Voralpen leicht befremdlich, aber der Service und das Essen sind ausgezeichnet.

Auf dem Etzelpass erinnert eine Tafel daran, dass hier der Eremit Meinrad ab 838 ein paar Jahre gelebt hat, bevor er tief im Wald eine Klause und eine Kapelle errichtete, woraus sich später das Kloster Einsiedeln entwickelte — die ganze Story samt Mord an Meinrad und zwei kriminalistisch-polizeilich begabten Raben ist hier nachzulesen.

Auch mir kommen Erinnerungen hoch: Vor Jahrzehnten habe ich mit meiner damaligen Freundin auf einer mehrtägigen Wanderung von Zürich durchs Sihltal und das Wägital nach Braunwald hier im Gasthaus St. Meinrad übernachtet. Damals war ich von der Aussicht vom Etzel enttäuscht. Deshalb sparen wir uns nach dem Mittagessen den Aufstieg und vor allem den stotzigen Abstieg vom Etzel und entscheiden uns für die Direttissima.

5 Die Pilz- und Pilgersaison ist eröffnet

Auch von St. Meinrad geht es recht steil runter, so dass es die entgegenkommenden Mountain Biker es vorziehen, ihr Bike den Berg raufzustossen. Der Wald ist voll von Pilzen und PilgerInnen, die von Rapperswil über den Damm nach Pfäffikon gewandert sind und nun nach St. Meinrad hochsteigen. Gemäss Wikipedia boomt die Jakobspilgerei seit Mitte der 90er Jahre in einem noch nie dagewesenem Ausmass.

6 Das isch es Luege vo de Luegeten!

„Luege“ ist das schweizerdeutsche Wort für Schauen. Und tatsächlich die Aussicht vom Restaurant Luegeten ob Pfäffikon ist grossartig:

Zum Vergrössern aufs Bild klicken! Zu sehen sind von links nach rechts: Das Restaurant Luegeten, der Zürichsee mit den Inseln Ufenau und Lützelau, der Seedamm von Pfäffikon nach Rapperswil, dahinter Bachtel und die Hügel des Zürcher Oberlands, rechts vom Damm und hinter dem weissen Merz der Obersee, dahinter der Säntis und der Speer.

7 Ein Agglo-Panorama

Pfäffikon liegt zwar im Kanton Schwyz, gehört aber längst zur Agglomeration Zürich. Grad neben der Autobahn erklärt diese Panorama-Tafel die Sehenswürdigkeiten der Gemeinde.

8 Schienentomaten

Angekommen am Bahnhof Pfäffikon, spiegelt sich das Bahnhofsgebäude in der gegenüberliegenden Fassade und Frau Frogg beschliesst, es sei noch einmal Glacéwetter und kauft sich ein Schokoladencornet.

Und zum Schluss noch die Tomaten, die unmittelbar neben den Geleisen wachsen, über die alle zehn, fünfzehn Minuten Schnellzüge Richtung Österreich oder Chur brausen. Frau Frogg meint, sie hätte irgendwo gelesen, dass die Samen dieser Schienentomaten aus den Plumpsklos der Züge stammten. Deshalb hätte sich die Tomate entlang der Gotthardlinie ausgebreitet. Si non è vero, è ben trovato!

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