In den Hügeln ob Locarno gibt es einen Wanderweg, der nennt sich „Sentiero Collina Alta“ und führt mehr oder weniger an unserer Ferienwohnung vorbei — für uns ein Schlechtwetterprogramm, das wir mehrmals, dafür in Etappen absolviert haben. Und: Auf dem „oberen Hügelweg“ nach Locarno gibt es einiges zu sehen!

Zum Vergrössern auf die Karte klicken! Einmal sind wir von Contra (A) nach Brione sopra Minusio (B), einmal nach Locarno-Monti (C) gewandert. Die Etappe von C nach D besteht zur Hauptsache aus dem Kreuzweg, der von Madonna del Sasso nach Locarno runterführt (vgl. Magengesteuerter Besuch in Locarno). Auch den Abstieg von A nach Tenero (E) haben wir mehrmals gemacht. Quelle der Karte mit Wanderroute: map.wanderland.ch. Routenbeschrieb: Tageswanderung Nr. 456 auf www.wandersite.ch.

1. Kontrastfarbener Käfer

Dieser gelbe Schwefelkäfer auf dieser blauen Kugeldistel (eine von etwa 120 Arten) war nicht zu übersehen, denn Konträrfarben sind das Gegenteil von Tarnung… Schöne Blumen wachsen überall, manchmal sogar aus Trockenmauern:

2. Trotte — Kelter — Torchio

Drei Wörter für ein und das selbe: eine Weinpresse. Ob sie noch funktioniert und ob sie noch in Gebrauch ist, weiss ich nicht, aber an der Strasse, die ins Val Resa führt, markiert sie den Beginn einer Erlebnislandschaft, die fürs Tessin typisch ist: ein schmales Strässchen, das durch eine terrassierte Landschaft mit Trockenmauern, Rustici*) und Grotti**) führt. Vom Torchio vinario aufwärts hat es noch mindestens drei Grotti, die vor allem übers Wochenende betrieben werden.

3. Pont del Sipp — Sepps Brücke

Das Prinzip Lieber oben drüber als unten durch galt auch im Tessin: Der schnellste Weg vom Val Verzasca nach Locarno führte nicht durchs Tal, sondern über die Hügel. Auch heute noch ist der obere Hügelweg Teil des Sentiero Verzasca, eine mehrtägigen Wanderroute von Sonogno nach Locarno. Der Pont del Sipp überbrückt das Bachtobel der Navegna mit einem romanischen Rundbogen an einer idyllischen Stelle, wo der Bach kaskadenartig über mehrere Wasserfälle talwärts fliesst. In früheren Zeiten verbrachte ein Bauer namens Sipp den Sommer jeweils in der Nähe der um 1750 erbauten Brücke, weshalb sie bei den Einheimischen Pont del Sipp heisst.

4. Cappella Rotta — Beten gegen die Pest


Mitten im Wald: ein Rustico neben Sepps Brücke und die Cappella Rotta

Die Wegkapelle am Weg ins Val Verzasca ist beschädigt — und wird deshalb nur noch als kaputte Kapelle bezeichnet. Sie war früher San Rocco geweiht, der zwar nie heilig gesprochen wurde, aber dennoch als „Pestheiliger“ zu den 14 Nothelfern zählt. Die Cappella Rotta war während den Pestzügen ein Zufluchtsort für Pestflüchtlinge.

5. Blick aufs Maggiadelta und Locarno

Wo der Wald sich lichtet, wie hier beim Abstieg auf Brione sopra Minusio, eröffnet sich der Blick auf den Lago Maggiore und das eindrückliche Delta der Maggia. In der vorderen Ecke des Deltas ist trotz trübem Wetter Locarno, in der hinteren Ecke Ascona zu erkennen.

6. Die Post von Brione — früher und heute

Gemäss einer Tafel des itinerario storico culturale war in diesem Gebäude einmal die Postablage von Brione — heute ist hier nicht einmal mehr die Bar Posta. Auch wenn die vielen Leute auf dem historischen Bild für den Fotografen posieren — heute ist in Brione deutlich weniger los: Als wir am Mittag eine offene Beiz suchten, hatten von drei Beizen drei zu, auch die Osteria da Johnny. Wohl oder übel nahmen wir den Bus zurück nach Contra und kochten selber…

7. Aufgemotzte Rustici

Am oberen Hügelweg trifft man immer wieder auf aufgemotzte Rustici, die als Ferienhäuser genutzt werden. Dagegen ist nichts einzuwenden, aber manchmal wird man den Verdacht nicht los, dass an Stelle von rustikalen Steinhäusern Neubauten hingestellt wurden. All zu lange betrieb der Kanton Tessin bezüglich Rustici eine Laisser-faire-Politik. Jetzt aber sei der Umgang mit den Rustici streng reglementiert, war im Umfeld der Abstimmung über die Zweitwohnungsinitiative aus dem Tessin zu vernehmen, deshalb sei es nicht notwendig, dass Rustici als Zweitwohnung gezählt würden. Aber, bitte sehr, als was denn sonst? Als Erstwohnungen, als Ziegenställe oder als ehemalige Ruinen oder was?

8. Suchbild


Wo ist die Seilbahn, die von Orselina auf die Cardada fährt?

9. Bauboom an Locarnos Goldhügel

Während die einen ihr Ferienhaus im Juni leer stehen lassen und ihre Nachbarn ihr Ferienhaus gar veräussern wollen, …

… wird an in Locarno-Monti und Orselina gebaut, was das Zeug hält, als ob die letzten Baugrundstücke am Goldhügel nur noch diesen Sommer überbaut werden könnten. Zu vermuten ist, dass dieser Bauboom auch eine Folge der Annahme der Zweitwohnungsinitiative ist. Mit dem knappen JA des Stimmvolks ging die Diskussion über die Folgen und die Umsetzung dieser in den Tourismusgebieten sehr ungeliebten Initiative erst richtig los. Am 22.8.2012 hat der Bundesrat eine Verordnung zur Umsetzung erlassen, die gilt, bis das vom Parlament noch zu erarbeitende Gesetz in Kraft tritt, aber er hat sich schwer getan und die Umsetzung verwässert, vgl. Echo der Zeit auf Radio SRF.

C. Auch am Etappenziel…

waren die ersten drei Restaurants zu und erst das vierte hatte offen:



Dafür war die Aussicht auf den Lago Maggiore, Locarno und Madonna del Sasso grandios und die Lachsforelle schmeckte ausgezeichnet.

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*) Ein Rustico ist ein rustikales Tessiner Steinhaus. Rustici wurden früher meist ausserhalb von Dörfern auf Waldlichtungen, Maiensässen und Alpweiden als temporäre Wohnhäuser, Ställe und Heuschober gebaut und genutzt. Heute sind die oft nur zu Fuss oder mit dem Helikopter erreichbaren Rustici entweder zu Ferienhäuschen umgenutzt worden — meist am Rande der Legalität — oder sie zerfallen allmählich zu Ruinen.

**) Ein Grotto ist die Tessiner Version einer Gartenbeiz oder eines Schanigartens. Grotti sind oft nur im Sommer betriebene rustikale Beizen mit grosser Outdoor-Bewirtung, typischerweise im Wald gelegen und mit Granittischen ausgestattet.

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