Die Stufen einer Treppe zählen ist keine Kunst. Das kann und macht jedes Kind, das zählen kann. Auch die Anzahl Stufen anschreiben kann jeder und jede, wenn er oder sie denn auf diese Idee kommt und sich getraut. Doch ist es Kunst, wenn jemand in einer Nacht-und-Nebel-Aktion die Stufen von x öffentlichen Treppen in Luzern zählt und ihre Anzahl auf der jeweils ersten Stufe ankündigt?

Die Behörden der Stadt Luzern waren klar der Meinung, diese Aktion ist keine Kunst, sondern Sachbeschädigung — und liessen die Treppenbeschriftungen umgehend entfernen, noch bevor die Aktion gross Furore machen konnte. Denn wo kämen wir hin, wenn jeder jede Ecke im öffentlichen Raum beschriften würde? Auch eine Notiz in der Zeitung konnte über den Sinn und die Urheber der Aktion nur mutmassen…

Mir jedoch gefällt diese Aktion. Ob sie Kunst ist oder gar Aktionskunst, weiss ich nicht. Aber sie regt zum Denken an. Mich zum Beispiel hat sie an meine Kindheit erinnert, als ich bei jeder Treppe die Stufen zählen musste. Und sie ist informativ: Da weiss man, was man vor sich hat. Schliesslich ist in jedem touristisch erschlossenen, mittelalterlichen Turm die Anzahl Stufen angeschrieben — als Warnung für die Kurzatmigen. Kurz: Ich kann nicht verstehen, was die Stadt Luzern gegen diese augenzwinkernde Informationsdienstleistung einzuwenden hat.

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