Kulturelle Zwischennutzungen können durchaus lukrativ sein — sie generieren nicht nur Mieterträge in planungsbedingten Übergangsphasen, sondern machen auch No-Go-Areas wieder salonfähig und werben für Areale, die einer neuen Nutzung zugeführt werden. Im Gegenzug entstehen kulturelle Freiräume, die zu einigermassen günstigen Mieten genutzt werden können.

Als Beispiel für die kulturelle Zwischennutzung eines Entwicklungsgebiets dient das Maag-Areal, das durch die S-Bahn-Station Zürich-Hardbrücke, den Autobahnzubringer Pfingstweidstrasse und die Westtangente (eine der wichtigsten Verkehrsachsen Zürichs) verkehrsmässig optimal erschlossen ist.

Die Galerie Peter Kilchmann, die schon in meinem letzten Beitrag über die Kunstgalerien als Indikatoren für Trend-Quartiere vorgekommen ist, gehört nach zwei Zwischennutzungen im Schoeller- und Löwenbräu-Areal zu den „definitiven“ Nutzern des Maag-Areals.

Die Adresse der Galerie, Zahnradstrasse, weist auf das Produkt hin, das auf dem Maag-Areal ursprünglich hergestellt wurde: Zahnräder. 1913 gründete der Maschineningenieur Max Maag in der ehemaligen Autofabrik „Safir“ eine Zahnradfabrik. 1928 begann die Maag Zahnräder AG mit der Herstellung von Pumpen. Schon bevor die Maag Pump Systems Textron AG 2004 ihre Produktion nach Oberglatt verlagerte, begannen Planung und kulturelle Zwischennutzung des Areals. Es zogen Architekturbüros, Grafikateliers, Internetbuden und so weiter ein. Ein grosser Teil des verkehrsmässig hervorragend erschlossenen Areals wird nach wie vor als Eventlocation genutzt: Hier produzierte das Schweizer Fernsehen „MusicStar“, hier wurden mehrere Musicals gezeigt. Die Eventplattform ist derart erfolgreich, dass diese Nutzung zu einem Providurium werden könnte.

Freitag geht, Ernst & Young kommt

Auf den Industriearealen, die in Zürich-West in Büro- und Luxuswohnzonen für den Finanzplatz umgewandelt werden, herrscht ein Kommen und Gehen: Wenn die Phase der Zwischennutzung zu Ende ist, ziehen die weniger zahlungskräftigen Nutzungen weg, es wird abgerissen und neu gebaut, allenfalls auch umgebaut, und dann ziehen die neuen lukrativeren Nutzungen ein. So auch auf dem Maag-Areal: Während die Beraterfirma Ernst & Young mit 1000 Arbeitsplätzen in den Neubau „Platform“ eingezogen ist, zieht die Taschenproduktion der Freitag lab AG nach Zürich-Oerlikon — interessanterweise nicht in eine weitere Zwischennutzung, sondern in einen eigens erstellten Neubau NOERD, in dem die Freitag AG als Hauptmieter vieles mitbestimmen konnten.


So wurde die Industrie vom Maag-Areal wegverlagert: Die Maag Pump Systems nach Oberglatt, die Freitag lab AG nach Zürich-Oerlikon. Zur Karte auf Google Maps.

Im nächsten Beitrag:
Ein Kunstklotz als Werbung für Luxuswohnungen

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