Diese Sommerferien sind wir — wie im Fall von Flower-Power revisited — WiederholungstäterInnen und besuchen die schönsten Orte, die uns von 2012 in bester Erinnerung geblieben sind, erneut. Dazu gehört die spektakuläre Aussichtsplattform auf der Cardada, die Fahrt mit der „Sässelibahn“ auf die Cimetta und die Wanderung auf die Monti di Lego: Dieses Idyll auf den Hügeln zwischen Contra und Mergoscia gehört zu unseren Favoriten.

In Der höchste und der tiefste Punkt, meinem Bericht von 2012, schrieb ich über Seilbahnarchitektur und die spektakuläre Aussichtsplattform auf der Cardada, dem Hausberg von Locarno. Diesmal schreibe ich über die letzte Seitwärtssesselbahn der Schweiz. Mehr oder weniger gleich bleibt sich die Route:

Während wir 2012 über die Monti di Lego nach Contra (7) hinabwanderten (rot), war heuer Brione (9) das Ziel (türkis). Die Zahlen in der Karte entsprechen den Zahlen im Text.

Während wir 2012 über die Monti di Lego nach Contra (7) hinabwanderten (rot), war heuer Brione (9) das Ziel (türkis). Die Zahlen in der Karte entsprechen den Zahlen im Text. Die Quelle der Basiskarte: map.geo.admin.ch

Spektakuläre Aussichtsplattform (1)

Ein prächtiger Ausblick, auch wenn der höchste Punkt der Schweiz in Wolken gehüllt ist...

Ein prächtiger Ausblick, auch wenn der höchste Punkt der Schweiz in Wolken gehüllt ist…

Ein Must ist die Aussichtsplattform auf der Cardada (1332 m.ü.M.), von wo auch das Pedemonte gut zu sehen ist: Der breite Talgrund zwischen Ponte Brolla und Intragna verengt sich zum Centovalli und führt westwärts bis nach Domodossola in Italien.

Blick nach Westen: vorne das Pedemonte, hinten das Centovalli

Blick nach Westen: vorne das Pedemonte, hinten das Centovalli

Letzte Sässelibahn (8)

Einer meiner allerersten Blogeinträge war über Hartnäckige Nostalgiker in Solothurn, die unbedingt die alte Sesselbahn auf den Weissenstein behalten wollten. Ich vermute mal, dass es im jahrelangen Streit zwischen „Pro Sesseli“ und „Pro Gondeli“ weniger darum ging, die letzte Bahn der Schweiz mit System Von Roll zu retten, sondern die Seitwärtssessel mit der besseren Aussicht. Der Widerstand half nichts — die Bahn auf den Weissenstein wurde 2009 eingestellt und 2013 abgebrochen. Letzten Dezember nahm die neue Gondelbahn ihren Betrieb auf. Den SolothurnerInnen, die dem „Sässeli“ nachtrauern, empfehle ich einen Ausflug auf die Cimetta (1671 m.ü.M.): Da wurde 1999 die alte Sesselbahn von 1955 wurde durch eine neue Sesselbahn von Doppelmayr ersetzt, aber man schaut immer noch seitwärts vom Doppelsessel.

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Impressionen als Trost für die Solothurner Sässeli-NostalgikerInnen

Die Sesselbahn Cardada – Cimetta ist wahrscheinlich die letzte Seitwärts-Sesselbahn in der Schweiz — in der Seilbahndatenbank habe ich jedenfalls keine andere gefunden. Und Seilbahn-Nostalgiker, die das Sässeli mit System Von Roll VR101 nochmals live erleben wollen, müssen nach Tschechien fahren, die Bahn auf den Komáří hůrka / Mückenberg (südlich von Dresden) ist wohl Europas letzte Sesselbahn, die mit der abgebrochenen Weissensteinbahn vergleichbar ist.

Weidende Urviecher (3)

Gewitzigt durch Erfahrung — 2012 blieben wir beinahe in den Ginsterbüschen stecken — nehmen wir diesmal nicht die Direttisima von der Cimetta auf die Alpe Cardada, sondern halten uns an den Weg. Kurz vor der Alpe Cardada, wo auf dem Feuer open air Polenta zubereitet wird, treffen wir auf diese Urviecher:

Urviecher auf der Alpe Cardada

Eingezäunt und mit Sender versehen: Die Urviecher sind doch eher schottische Hochlandrinder…

Blumenpracht am Wegrand (4/5)

Unterwegs zu den Monti di Lego (6) freuen wir uns über schöne, z.T. auch seltene und daher geschützte Blumen, wie dieser prächtige Türkenbund auf dem dritten Bild:

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Idyllische Monti (6)

Der Weg hoch über dem Valle Resa ist wunderschön, dennoch können wir es kaum erwarten, die Monti di Lego (6) zu erreichen, zu gut ist uns dieses Idyll mit der prächtigen Aussicht und den Steintischen vor dem Grotto in Erinnerung geblieben. Ausserdem ist es einer der wenigen Orte im Tessin, wo Mosto amaro (= saurer Most, Apfelwein) ausgeschenkt wird — und ich als bekennender „Möschteler“ bin schon ein bisschen auf Entzug…

Aussicht von den Monti di Lego ins Valle Verzasca

Die Aussicht ins Valle Verzasca: Hinter der Seilbahnstütze Mergoscia und der Stausee

Noch prächtiger ist die Aussicht Richtung Süden: Das Panorama mit den Monti di Lego und dem Laga Maggiore

Prächtige Aussicht nach Süden: Das Panorama mit den Monti di Lego und dem Lago Maggiore

Blick von der Kapelle auf das Maggia-Delta

Blick von der Kapelle auf das Maggia-Delta

Kein Knieschlottern (9)

Während wir letztes Mal steil nach Contra (7) abstiegen und das Knieschlottern bekamen, wählen wir diesmal den weniger steilen Abstieg durchs Valle Resa nach Brione (9), was wesentlich angenehmer ist. Im Valle Resa, das im Gegensatz zu den Monti di Lego mit dem Auto erreichbar ist, werden im Sommer gleich mehrere Grotti betrieben. Wir jedoch wandern weiter, erst unten in Brione genehmigen wir uns einen gespritzten Weisswein, während wir auf den Bus warten.

Sorgfältig restauriert: der gedeckte Waschbrunnen von Brione

Sorgfältig restauriert: der gedeckte Waschbrunnen von Brione

Fazit: Dieser aussichtsreiche Ausflug auf die Cardada und die Cimetta mit anschliessender Wanderung über die Monti di Lego und runter nach Mergoscia, Contra oder Brione ist immer wieder schön.

⇒ Das Grotto auf den Monti di Lego habe ich auf stories & places eingetragen.
⇒ Die Capanna Grotto Monti di Lego hat eine Website — in der Hütte kann man auch übernachten.

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