Ein Zukunftsroman mit einer Prise Humor und viel Erzähllust.

«Nennt mich Wellenkamm» von Christoph Keller

Christoph Keller: «Nennt mich Wellenkamm»

ist 2026 im Rotpunktverlag erschienen. Diesen Klimaroman habe ich in den Sommerferien mit viel Spass verschlungen.

Zukunftsromane haben ein Problem: Sie malen die Zukunft aus, ohne die Zukunft zu kennen — das beste Beispiel ist 1984 von George Orwell. Mit seinem 1949 erschienenen, dystopischen Roman über einen totalitären Überwachungsstaat im Jahr 1984 nimmt Orwell so viele soziale und technische Entwicklungen vorweg, dass Leser:innen Listen mit Orwells «Innovationen» erstellt haben und abhaken, was schon Realität wurde — vielleicht sollte man auch mal auflisten, wo Orwell die Welt von 1984 zu düster dargestellt hat.

Christoph Keller umschifft das Problem der gewagten Zukunftsprognosen elegant: Er lässt in seinem Roman sieben Personen spekulative, aber gleichzeitig auch realistische Geschichten von der Zukunft erzählen. «Nennt mich Wellenkamm» liest sich wie ein Rückblick aus der Zukunft auf die heutige Klimakrise. Eine humorvolle und mitreissende Erzählung für heisse Sommerferien.

Amiy, eine erfolgsverwöhnte Influencerin, hat mit ihren Shootings auf einem luxuriösen Kreuzfahrtdampfer noch gar nicht richtig angefangen, als sie, leicht angetrunken, auf die Reling klettert und in den Ozean fällt. In höchster Not wird die Schiffbrüchige von einem Segelboot gerettet, auf dem sich sieben Reisende jeden Abend Geschichten aus der Zukunft erzählen. Amiy verwandelt sich in »Wellenkamm« und taucht ab in diese Geschichten, in eine Welt, die den Klimakollaps im letzten Moment abgewendet und sich neu erfunden hat: Erdölraffinerien sind zu Industriemuseen geworden, Hochhäuser in hängende Gärten verwandelt, Superyachten werden zu Wohnungen und Werkstätten umgebaut, die Geschlechtergerechtigkeit ist endlich hergestellt, in Mali ergrünt die Savanne und im Pazifik werden die von Hurrikans zerstörten Inseln zu neuem Leben erweckt. In dieser künftigen Welt ist zwar nicht alles perfekt, aber das Gröbste scheint überwunden.

Abschied vom männlichen Prinzip hin zu Care — Zukunftsgespräche 1 von 4
Episode 78 von «tre!bhaus — der klimapodcast»: Zukunftsgespräch mit Christoph Keller
 
Christoph Keller: «Nennt mich Wellenkamm»
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