Über vier, die nach New York auswanderten, und ein wunderschönes Erzählkonzert mit drei verschiedenen Enden.

Cornelia Montani und der Schneider waren vorgestern mit „New York einfach“ bei mir im Kreuz Solothurn zu Gast.


art-tv.ch über „New York einfach“

Cornelia Montani ist eine begnadete Geschichtenerzählerin, die zusammen mit Daniel Schneider die Geschichten dreier junger Menschen präsentiert, die aus ganz verschiedenen, aber immer sehr triftigen Gründen nach New York auswandern: die Walliser Geisshirtin Marie, die von ihrer grossen Liebe enttäuscht wurde, der Süditaliener Angelo, der nicht so werden will wie sein Vater, und Joshka aus einem Kaff in Oklahoma, der von seiner traditionsgebunden jiddischen Familie weggeschickt wird. Auf alle drei hat New York nicht gewartet – sie knallen auf den harten Boden der Immigrantenrealität und begegnen sich schliesslich als Tellerwäscher in einer Pizzeria.

Gemeinsam ist ihnen die Liebe zur Musik – und davon lebt dieses Erzählkonzert: Marie spielt Schwyzerörgeli, Angelo singt und spielt Gitarre und Joshka will partout keinen Klezmer mehr spielen, er macht jetzt Jazz. Die drei Geschichten verknüpfen sich mehr und mehr miteinander und es kommt zur Begegnung von Schweizer Volksmusik mit süditalienischen Liedern, Klezmer und einem Hauch von Jazz. Cornelia Montani ist die Erzählerin, aber sie verkörpert auch alle Figuren mit viel Herz, Temperament und Leidenschaft. Und Daniel Schneider, der Klarinette, Saxophon und Cajon spielt, ist zwar „nur“ Musiker und Darsteller der Nebenrollen, schafft es aber dennoch mitten im Geschehen zu sein. Denn viel wird in diesem Erzählkonzert über die Musik vermittelt…

1. Schluss: Alle drei machen im Big Apple ihren Weg als Musiker und sind sehr erfolgreich. Das Publikum applaudiert – und ist doch ein wenig irritiert ab dem allzu einfachen Erfolg und Happyend.

2. Schluss: Dann halt nicht! Die drei beginnen zusammen zu musizieren und spielen schliesslich Monat für Monat mit Erfolg in der Pizzeria ihres Patrons. Aber zum ganz grossen Durchbruch in New York, von dem alle geträumt haben, reicht’s dann doch nicht.

Den 3. Schluss verrate ich nicht, nur so viel: Er hat mit Heimweh zu tun… New York einfach: Grossartige kleine Geschichten übers Auswandern, übers Verreisen, über die damit verbundenen Hoffnungen und Sehnsüchte, übers Fern- und Heimweh – mit viel leidenschaftlicher Musik.

Der 4. im Bunde der New York-Auswanderer kommt in diesem wunderbaren Erzählkonzert gar nicht vor: Er ist real nach New York ausgewandert, lebt seit über 25 Jahren dort, ist ein erfolgreicher Illustrator, dem die Schweiz schon früh zu klein geworden ist, und er ist mein Bruder. Vieles, das Cornelia Montani und der Schneider in ihrer Produktion thematisierten, trifft auch auf ihn zu, z.B. dass New York nicht auf ihn gewartet hat und die Konkurrenz im gleichen Metier riesig ist. Obwohl er inzwischen nicht mehr im Big Apple selbst zu Hause ist, gilt für ihn ganz real: New York einfach!

Mehr zu New York einfach auf www.cornelia-montani.ch

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