Wer hin und wieder am selben Ort Ferien macht, kennt die Gefühle, die aufkommen, sobald man wieder da ist: Man freut sich über vertraute Ecken, stellt Veränderungen fest und ärgert sich über unerfreuliche Entwicklungen. Das Tessin ist für uns ein solcher Ort, der nostalgische Gefühle weckt, aber nicht nur für uns, wie der hinreissende Kommentar von Lorenz zum Ausflug ins Zollmuseum zeigt.
Tag 1 mit Sonntagzmittag im Stella
Gewitzigt von früheren Erfahrungen (vgl. Hungrig im Tessin und Hungrig am Swimming Pool) hat Frau Frogg im Hotel Stella in Orsellina einen Tisch reserviert. Wir stossen auf den Beginn der Sommerferien an und geniessen das Mittagsmenu und die traumhafte Aussicht, die uns von früheren Aufenthalten in schönster Erinnerung geblieben ist.
Tag 2: Madonna del Sasso und Grosseinkauf
Wie 2012, als wir einen Magengesteuerten Besuch in Locarno machten, gehen wir über den Kreuzweg von der Madonna del Sasso nach Locarno runter, und verbinden den Grosseinkauf und das Mittagessen mit einem Rundgang durch Locarno, doch unser gemütliches Lieblingsrestaurant mit rot-weiss karierten Tischtüchern, das «Casa del Populo», musste einer Grill-Bar weichen: Sie heisst TIBON und grilliert nicht nur Fleisch, sondern auch Gemüse.

Tag 3: San Quirico — Foto mit dem selben Blickwinkel wie Filippo Franzonis Gemälde aus den 1890er Jahren
Tag 3: Lungolago — Spaziergang am Lago Maggiore
Immer wieder schön ist der Lungolago: Die Salita del Lupo ist Frau Froggs Lieblingstreppe runter zum Bahnhof Locarno, wo unser Lungolago (Version 2016) beginnt mit Ein paar Minuten Ewigkeit direkt beim Bahnhof (die Frogg über die Stiftskirche S. Vittore). Vorbei an San Quirico (Bild) und der Wehranlage Cà di Ferro (Anwerbungskaserne für Schweizer Söldner) geht’s dem See entlang Richtung Tenero. Bald rückt die Villa La Baronata ins Blickfeld, die dem Reisenden Revoluzzer Bakunin vorübergehend als Wohnsitz diente.
Tag 4: Zu heiss für den Maultierpfad
Obwohl wir schon viele Male im Locarnese waren, sind wir noch nie über den Maultierpfad von Intragna nach Loco gewandert. Dieser schöne Pfad war früher die einzige Verbindung ins Valle Onsernone. Der Weg führt grösstenteils durch den Wald, aber trotz Schatten ist es an diesem Tag einfach zu heiss. Schweisstreibend ist vor allem der Schlussaufstieg von der Brücke über den Isorno hinauf nach Loco.
Tag 5: Ausflug auf Locarnos Hausberg
Ein nostalgisches Must ist der Ausflug auf die Cardada und die Cimetta, den wir diesmal mit unseren Nachbarn aus Luzern unternehmen. Wie schon 2012 fasziniert der Ausblick von der Cardada auf den höchsten und den tiefsten Punkt der Schweiz (mein meistgelesener Blogbeitrag). 2015 waren wir zweimal auf der Cardada, einmal Per «Äxgüsi» und das andere Mal sind wir mit der Sässelibahn auf die Cimetta gefahren und über die Monti di Lego nach Brione runtergewandert (vgl. Letzte Sässelibahn und ein Idyll). Diesmal sind wir nur von der Cardada auf die Cimetta hochgewandert.
Tag 6: Ein Tag am Pool
Wir kaufen ein fürs Wochenende und verbringen einen Tag am Pool mit Lesen — mehr wäre bei diesen heissen Temperaturen zu viel. Ferienzeit ist Lesezeit — meine Leseliste: «Goodbye, Amerika? Die USA und wir — eine Neuvermessung» von Rieke Havertz (aufbau) / «Nennt mich Wellenkamm» von Christoph Keller (Rotpunktverlag) / «Rückkehr nach Reims» von Didier Eribon (Suhrkamp).
Tag 7: Zwei Besuche im Sottoceneri
Nostalgisch geprägt sind — für mich jedenfalls — zwei Besuche im Sottoceneri. Zum Mittagessen sind wir bei Jugendfreunden eingeladen, die in Ligornetto wohnen. Wir sind nun schon über fünfzig Jahre befreundet, reden aber nicht von alten Zeiten, sondern unterhalten uns über Themen, die uns derzeit beschäftigen: das Älterwerden, das Leben nach der Pensionierung, gesundheitliche Probleme etc. Dann fahren wir gemeinsam nach Bedigliora im Malcantone, wo die befreundete Künstlerin Christine Bänninger ein dreimonatiges Atelierstipendium erhalten hat und unter dem Titel La palma che è venuta con me ihre soeben entstandenen Arbeiten zeigt: grössere, raumgreifende Bilder, aber auch kleinformatige Werke sowie eine Performance — ein sehr schönes Treffen mit weiteren Freund:innen aus der Deutschschweiz…
Fortsetzung folgt…








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