In der zweiten Woche unserer Nostalgieferien im Tessin unternehmen wir auch mal etwas Neues, das kaum nostalgische Gefühle geweckt, wie z.B. die Ausflüge nach Robiei oder ins Zollmuseum. Andererseits besuchen wir in Ascona die Kunstausstellung Nostalgia del Sud, was tipptopp ins Konzept der Nostalgieferien passt.
Tag 8: «Goodbye Amerika? Die USA und wir»
Gerade fertig gelesen habe ich das lesenswerte Buch Goodbye Amerika? Die USA und wir — eine Neuvermessung der gefragten Amerikadeuterin Rieke Havertz.*) Die Journalistin und Podcasterin bereist ihre «zweite Heimat» seit mehr als 20 Jahren. Sie spürt den Brüchen in der amerikanischen Gesellschaft nach, beleuchtet die Veränderungen, die Europa unversehens in angstvolle Ungewissheit gestürzt haben, nimmt eine Neuvermessung vor und fragt sich etwas nostalgisch, ob wir uns vom Amerika, das wir bisher kannten, verabschieden müssen. Ein nachdenklich stimmendes Buch.
Tag 9: Lago dei Cavagnöö
Sommerferien im Tessin – Tag 9: Um der Hitze zu entfliehen, fahren wir mit öV ins Val Bavona und nehmen die Seilbahn hinauf nach Robiei (1890 m.ü.M.). Diese Kraftwerksbahn ist recht spektakulär: Sie führt Felswänden entlang auf das Hochplateau von Robiei. Dann wandern wir hoch zum Stausee Lago dei Cavagnöö (2309 m.ü.M.), wo es tatsächlich etwas frischer ist. Fasziniert hat mich der Überlauf des Stausees, der der aussieht wie ein überdimensioniertes Standrohr in der Küchenspüle oder in einem Dorfbrunnen.
Tag 10: «Nennt mich Wellenkamm»
Am Pool und unter dem Sonnenschirm lese ich im Hinblick auf die Veranstaltung im Salon Himmelblau am 23. September 2026 Christoph Kellers Roman Nennt mich Wellenkamm (kürzlich im Rotpunktverlag erschienen), der sich wie ein Rückblick aus der Zukunft auf die heutige Klimakrise liest. Eine humorvolle und mitreissende Erzählung für heisse Sommerferien.
Tag 11: Zollmuseum in Cantine di Gandria
In der Ferienmitte machen wir einen Ausflug, den kurz vor unseren Ferien schon rekognosziert habe: Wir besuchen das Zollmuseum in Cantine di Gandria. Mit einer Freundin aus Bern fahren wir nach Lugano und mit dem Schiff nach San Rocco. Schöne Wanderung nach Cantine di Gandria, feines Mittagessen im Grotto Descanso, ausgiebige Besichtigung des Zollmuseums. Ein sehr schöner Tag, der hier ausführlich zelebriert wird!
Tag 12: Coole Kunst in Ascona
An einem sehr heissen Tag besuchen wir in Ascona zwei schön kühle Museen. Das Museo comunale d’arte moderna Ascona zeigt einerseits das vielfältige Schaffen von Luisa Figini (*1954), z.B. «Flügel/Federkleid» von 2015, und andererseits Werke aus dem Nachlass von Marianne Werefkin (1860–1938), einer russisch-schweizerische Malerin des Expressionismus. Das Museo Castello San Materno präsentiert ebenfalls zwei Ausstellungen: «Nostalgia del sud», deutsche Künstler in Italien 1865-1915, sowie «Max Liebermann und die Künstlerkolonie Worpswede» — eine interessante Tour durch die Kunst von 1865 bis heute.
Tag 13: Nach dem Gewitter am Vortag
Das abendliche Gewitter, das am Vortag über das Maggiadelta gezogen ist, bringt leider nur wenig Kühlung. Deshalb lese ich am Pool und unter dem Sonnenschirm Christoph Kellers Zukunftsroman «Nennt mich Wellenkamm» zu Ende. Das im Rotpunktverlag erschienene Buch, das gut zu den heissen Tagen passt, habe ich gerne gelesen — es ist leichtfüssig und anregend zugleich.
Tag 14: Ausflug nach Domodossola
Immer wieder gerne fahren wir durchs Centovalli und das Valle Vigezzo nach Domodossola auf den samstäglichen Markt. Schon das Einstiegsvideo auf der Website der Ferrovia Vigezzina Centovalli zeigt, wie spektakulär die «langsame Reise zwischen Dörfern und Natur» ist — für Bahnfans ein grossartiges Erlebnis! Während Corinna auf scheissaufsalter.com von einem der schönsten Märkte Norditaliens schwärmt, hätten wir das Altstadtflair von Domodossola wohl auch ohne Markt geniessen können.
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*) Auf die Rieke Havertz bin ich dank ZHB macht Feierabend aufmerksam geworden: An einem Anlass mit dem sperrigen Titel «Entfremdung: warum Amerika sich (und uns) abhanden kommt» stellte die Autorin ihr Buch Goodbye Amerika? Die USA und wir — eine Neuvermessung vor.









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