Am ersten Etappenziel unserer Reise in die Südschweiz logierten wir im Albergo Ristorante Grotto Miralago am südlichen Ende des Lago di Poschiavo. Das Wetter war besser als erwartet und lud ein zu einer Herbstwanderung mit einem etwas morbiden Ende.
 

1 Miralago — Schau den See

Unser Zimmer bot einen wunderschönen Ausblick (siehe oben) auf die leider wolkenverhüllte Berninagruppe und den Puschlaver See, der allerdings den für Stauseen typischen hässlichen Rand aufwies, weil der Seespiegel wegen Wartungsarbeiten an den Turbinen des Kraftwerks Campocologno 1 um 7 Meter abgesenkt worden war. An sich ist der Lago di Poschiavo ein natürlicher See, doch ein Achtel seines Wasservolumens kann für die Stromerzeugung genutzt werden. Gemäss Wikipedia nennt sich sowas Naturstausee.

Unsere Herbstwanderung führte uns nach Poschiavo:

Zum Vergrössern auf die Karte klicken! Zwischen See und Poschiavo war führte unsere Route über asphaltierte Strässchen — mit besserem Kartenmaterial hätten wir sicher eine fussgängerfreundlichere Variante (z.B. entlang des Flusses) gewählt. Charakter: Leichte Talwanderung. Dauer: knapp 3 Stunden. Quelle der Basiskarte: map.geo.admin.ch

2 Lago di Poschiavo — idyllische Ostseite

Während der die Westseite des Sees durch die Talstrasse und die Berninabahn beeinträchtigt ist, führte der Wanderweg auf der Ostseite durch ein herbstliches Idyll, das erst am oberen Ende des Sees durch ein Kieswerk gestört wurde.




3 Canton — Jäger und Kürbiszüchter

Canton ist nicht nur der Name Dutzender Orte in den USA und die alte Bezeichnung der südchinesischen Megalopole Guangzhou — die Boom-Region im Hinterland von Hongkong umfasst etwa 10 Millionen Menschen und wird gern „Fabrik der Welt“ genannt. Nur etwa etwa 1 Millionstel so viel Einwohner hat der kleine Weiler Canton im Puschlav. Schaut man sich in Canton um, muss man annehmen, dass die Leute von Canton Jäger und Kürbiszüchter sind:


4 Prada — nur von Weitem

Obwohl wir keine Angst hatten, Prada könnte teuer werden, liessen wir den Weiler rechts liegen. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass auch die anderen beiden Prada, die es im Bündnerland gibt, nichts mit dem luxuriösen Mailänder Schuh- und Täschlilabel zu tun haben.

5 Königskerzen, Piode und der Stern von Betlehem

Unterwegs gab es einiges zu sehen: wunderschöne Königskerzen in einem Garten, ein Lager mit Steindachplatten (piode da tetto) und den Stern von Betlehem:



6 Poschiavo — Paläste, Pizzoccheri und das Ossario

In Poschiavo gingen wir zuerst der Via di Palaz entlang. Hier im Spaniolenviertel haben im 19. Jahrhundert ausgewanderte Puschlaver, die im Ausland als Zuckerbäcker reich wurden, einen ganzen Strassenzug mit herrschaftlichen Villen gebaut — eine irgendwie faszinierende Geschichte…


Poschiavo, Via di Palaz (Foto: Adrian Michael commons.wikimedia.org


Trotz Palästen ist das Puschlav wegen seiner peripheren Lage nach wie vor keine reiche Gegend.

Zum Zmittag gab’s für mich Puschlaver Pizzoccheri, eine leckere lokale Spezialität mit Teigwaren aus Buchweizen.

Poschiavo ist der Hauptort der Talschaft Valposchiavo. Die Plazza da Cumün ist der sehr sehenswerte zentrale Platz im städtisch anmutenden Borgo von Poschiavo. Links auf dem Bild das Hotel Albrici, das zu den Swiss Historic Hotels gehört. Fast hätten wir hier übernachtet, die Pizzoccheri jedenfalls sind empfehlenswert.

Unsere Rundgang durch Poschiavo endete etwas morbid — mit der Besichtigung des Ossario (Beinhaus) von St. Anna. Ja, sterben müssen wir alle…

Fazit: Eine vielseitige, interessante und schöne Talwanderung. Auf unserer Route leider etwas viel Asphalt, was sich aber mit einer anderen Routenwahl reduzieren lässt.

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