Wir sind nicht nur wegen der Seen im Lake District, sondern auch wegen der Berge. Deshalb wollen wir doch noch auf einen rechten Dreitausender steigen, gemessen in Fuss wohlgemerkt. Der Skiddaw (931 m.ü.M. / 3054 feet) gilt als Einfachster unter den englischen 3000ern, was wir daran merken, dass wir nicht die Einzigen sind.

Und das ist Englands vierthöchster Berg:


Der Skiddaw, fotografiert vom Stadtrand von Keswick (1).

Die Zahlen im Text beziehen sich auf folgende Routenskizze:


Diese Routenskizze stammt aus einem Routenbeschrieb auf www.golakes.co.uk. Wir folgen aber nicht der vorgeschlagenen Route (rote Zahlen), sondern steigen direkt auf den Skiddaw (931 m.ü.M.) nehmen dann den sanfteren Abstieg über den Sale How (666 m.ü.M.) und die Jugendherberge Skiddaw House. Für die 13 Meilen oder 20.6 km und etwa 1000 Höhenmeter schätzt der Routenbeschrieb 6 bis 7 Stunden, was etwa hinkommt.

Ab dem Parkplatz am Fuss des Skiddaw (2) wird der Weg zu einer Wanderautobahn: Jüngere, Ältere, Paare, Familien, Hunde etc. keuchen und hecheln bergaufwärts. Wobei: Diese englischen Berge sind wie unsere Hügel — zuerst relativ steil werden sie gegen oben flacher.


Keswick und Derwent Water, fotografiert vom Zickzackaufstieg (2).

Auf dem Skiddaw

Die Aufstiegsroute führt um den Little Man herum auf einen Sattel. Ab da ist der Weg dem Wind ausgesetzt — und es bläst eine kräftige Brise aus Westen. Der oberste Teil des Skiddaw ist ein Schutthaufen. An mehreren Stellen haben Leute Steine zu halbrunden Mäuerchen aufeinandergelegt, die so Schutz vor dem Wind bieten — Windschutzschutthaufen sozusagen.




Die Aussicht vom Skiddaw (3) reicht weit: Oben der Blick nach Süden auf einen Windschutz, den vorgelagerten Little Man, Keswick und den Lake District. Das Panorama in der Mitte lässt sich durch Anklicken vergrössern. Es ist nördlich vom obersten Punkt aufgenommen und reicht von Little Man und Skiddaw im Süden über den Bassenthwaite Lake und die Irische See im Westen bis Schottland im Norden und fast bis an die Nordseeküste im Osten. Auf dem unteren Bild sieht man sehr schön, wie die Wolken von der Irischen See heran- und knapp über uns hinwegziehen.

Durch Sumpf und Erika

Bis zum erwähnten Sattel nehmen wir den gleichen Weg zurück, dann steigen wir ostwärts über einen breiten und manchmal etwas sumpfigen Rücken zum Skiddaw House ab. Weitherum ist alles voll von Erika.



Wollgras und erste, blühende Erikapflanzen an der Abstiegsroute (4)

Die Jugi am Ende des Universums

Im Gegensatz zur Aufstiegsroute ist der Abstieg zum Skiddaw House (4) und der Weg über das „verbrannte Pferd“ (3) zurück zum Parkplatz (2) recht einsam — unterwegs treffen wir nicht mehr als ein halbes Dutzend Personen. Schon von weit oben ist am Rand einer von Erika bewachsenen Hochebene ein dunkelgrünes, baumbesetztes Geviert zu erkennen. Hier befindet sich das Skiddaw House, die Jugendherberge am Ende des Universums, wie Frau Frogg einen ihrer fünf England-Geheimtipps benannt hat. In der Tat kenne ich auch keine abgelegenere Jugendherberge…




Das Waldgeviert beim Skiddaw House (5) und der Blick zurück auf den Skiddaw, die Jugi am Ende der Welt und die Brücke über den „Bergbach“

Ãœber dem einsamen Tal

Nachdem der Weg den Talgrund erreicht haben, beginnt bei „Burnt Horse“ (3) — keine Ahnung, warum diese Ecke so heisst, aber die englischen Flurnamen sind gewiss interessanter als unsere — ein Höhenweg, der etwa 2 Kilometer dem Hang entlang talauswärts führt. Auf der gegenüberliegenden Talseite entdecken wir einen Schäfer, der mit seinem Hund eine Herde Schafe talaufwärts treibt (vgl. auch Schafe, überall Schafe). Je näher wir dem Talausgang kommen, desto weiter wird der Blick über den Lake District.



Schafherde auf der anderen Talseite und der Blick vom Höhenweg (6) talauswärts

Um eine Felsnase am Talausgang wendet sich der Weg nach Westen. Jetzt ist es noch einen Kilometer bis zur Wanderautobahn auf den Skiddaw und noch einen halben bis zum Parkplatz (2), wo wir uns am Glacestand — Wanderautobahn sei dank! — ein wohlverdientes Eis kaufen, bevor wir den Rest des Wegs nach Keswick unter die Füsse nehmen.

Fazit: Eine schöne, aber recht weite Wanderung mit windigem Weitblick aufs Meer. Um die Knie zu schonen, empfehlen wir den steilen Aufstieg auf den Skiddaw und den sanfteren Abstieg: die umgekehrte Route hat sich bewährt.

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