Vor vier Jahren hatte der Luzerner Kantonsrat die Sanierung der Zentral- und Hochschulbibliothek bewilligt. Vor drei Jahren hat er sich’s anders überlegt, hat die Sanierung wieder gestoppt und ist seither die Debatte über mehrere Runden weitergeritten (vgl. ZHB Luzern: Kanton vs. Stadt). Letztes Jahr hat das Stimmvolk der Stadt Luzern die letzte Runde eingeläutet und mit 76% JA gesagt zur Rettung der ZHB (vgl. ZHB Luzern: Affaire à suivre). Inzwischen ist diese leidige Debatte zu Tode geritten. Doch die Realitätsverweigerung im Kantonsrat geht so weit, dass einzelne bürgerliche Kantonsräte aufgefordert werden müssen, vom toten Ross abzusteigen — Kantonsräte von der Landschaft sollten doch eigentlich merken, wann ein Ross tot ist.

Nachdem einzelne Kantonsräte vorgestern vergeblich versucht hatten, dass tote Ross weiterzureiten, und Regierungsrat Schwerzmann ein aktualisiertes Sanierungsprojekt noch vor Sommer in Aussicht stellte, ist der Kantonsrat doch noch zur Vernunft gekommen und vom toten Ross gestiegen (vgl. NLZ vom 28.1.2015): Der Rat erklärte das Postulat von Michael Töngi, das von der Regierung verlangt, dass sie die Arbeit am ZHB-Sanierungsprojekt unverzüglich wieder aufnimmt, mit 71 zu 31 Stimmen als teilweise erheblich. Mit 67 zu 36 Stimmen erklärte er dann noch ein Postulat als teilweise erheblich: Das Postulat von Marcel Budmiger verlangt, die ZHB unter Denkmalschutz zu stellen. Das ist ein Tritt ans Schienbein von Kulturdirektor Reto Wyss, der den Unterschutzstellungsentscheid seiner Dienststelle Hochschulbildung und Kultur auf die lange Bank schob. Im Sommer dann wird dem Kantonsrat sein totes Ross als gut abgehangenes Mostbröckli serviert: Er darf dann der ZHB-Sanierung nach vier Jahren zum zweiten Mal zustimmen — da wiehert sogar die tot gerittene Debatte!

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