Endlich komme ich dazu, diesen schon lange angefangenen Fotoroman über unsere Wanderung im Malcantone fertigzustellen. Er handelt von Kastanien, Mortadella, von grossartigen Aussichten und verfrühten Hagelgewittern sowie einer Schifffahrt auf dem Lago di Lugano, die dieses Jahr nicht stattgefunden hat.

Zum Vergrössern auf die Karte klicken! Quelle der Karte: map.geo.admin.ch

Unsere Wanderroute (rot) führte uns von Arosio über Cademario und San Bernardo nach Santa Maria, von wo wir allenfalls (rot gestrichelt) nach Magliaso absteigen wollten, um dann in Caslano das Schiff zu nehmen. Allerdings war das Wetter schon so schlecht, dass wir uns entschieden über Iseo nach Aranno weiterzuwandern. Gelb eingezeichnet ist unser Ostersonntagsspaziergang, der ein Teilstück des Sentiero del castagno (gelb gestrichelt) ist.

1 Sentiero del castagno

Wer meinen Eintrag über die Lehrpfaditis gelesen hat, kennt meine ambivalente Haltung gegenüber Themenpfaden. Aber der Kastanienweg ist informativ und doch nicht oberlehrerhaft — ich kann ihn also durchaus empfehlen, zumal die Kastanie im Malcantone allgegenwärtig ist:

Solche „Kastanien-Igel“ gibt es in jedem nicht mehr genutzten Kastanienhain, also fast überall. Und dieses eigenartige Gebäude, unweit vom Albergo San Michele, ist eine „grà“, ein Gebäude, in dem früher Kastanien getrocknet und haltbar gemacht wurden. Dies und anderes Wissenswertes zur Kastanienkultur erklärt ein gut gemachter Leporello (PDF) zum Sentiero del castagno, aus dem auch die Schemazeichnung einer „grà“ stammt.

2 Altes und neues Arosio


Arosio im Uhrzeigersinn: Der Palazzo am Dorfplatz und Wendeplatz des Postautos, der Friedhof und die Kirche von Arosio, ein altes Haus mit der Aufschrift „TELEPHONO NO. 12“ (Das waren noch Zeiten, als Telefonnummern noch zweistellig waren!) und ein neues Betonhaus, das sich von den alten Steinhäusern seiner Umgebung deutlich abhebt und sich dennoch gut ins Dorfbild einfügt.

3 Schwarzwald — Weisswald

Vor vier Jahren war Ostern im März. Damals hat Frau Frogg im selben Wald ein Foto geschossen, auf dem es Schnee auf den Bäumen hat. So kalt war es diesmal nicht und die Vegetation war schon frühlingshafter: Oberhalb des Wanderwegs ein Buchenwald mit weissen Stämmen und zart spriessendem Grün, unterhalb ein nicht mehr genutzter Kastanienhain mit schwarzen Stämmen, aber noch ohne Blätter.

4 Im Anflug auf Lugano-Agno


Das Panorama von Cademario — zum Vergrössern aufs Bild klicken!

Obwohl die Berge waschküchenartig wolkenverhangen sind, ist dieses Panorama sehenswert: Im Vordergrund das Dörfchen Cademario, das vor allem für sein Kurhaus bekannt ist, im Mittelgrund Lugano Airport, der aber mit seinen sechs, sieben Linienflügen pro Tag im Vergleich zum nahen Mailänder Flughafen Malpensa ein doch eher bescheidenes Verkehrsaufkommen aufweist. Dahinter von links nach rechts: Die Agglomeration Lugano, die Stadt Lugano ihrem Seebecken und den zwei markanten Hügeln, dem Monte Bré und dem San Salvatore, die Gotthardautobahn und der Lago di Lugano, der neben dem Kirchturm von Cademario ein zweites Mal zu sehen ist. Die Berge und Hügel ganz im Hintergrund gehören grösstenteils bereits zu Italien.

5 Mortadella auf dem Holzweg

In Cademario haben wir uns ein Picknick gekauft: Ein Tessinerbrot, das auch im Tessin „pane ticinese“ heisst, Formagini und eine Ladung Mortadella, die man riechen können müsste — schade, gibt es im Internet keine olfaktorische Funktion, ein SmellTube für Gerüche. Und dann war da noch diese unglaublich lange und hohe Holzbeige, die sich wie eine Wand unserem Weg entlang zog: Wir fühlten uns buchstäblich auf dem Holzweg.

6 San Bernardo

Auf jedem Hügel eine Kirche, die mit „Stairways to Heaven“ in Szene gesetzt wird. Von San Bernardo sieht man durch den Wald auf das Kurhaus von Cademario, das aber zur Zeit geschlossen ist, weil es umgebaut und aufgepeppt wird. Die Wiedereröffnung ist für Winter 2012/13 geplant.

7 Santa Maria mit tollem Rundblick

Noch schöner ist die Treppe zum zweiten Bergpreis dieser Wanderung, zum Kirchlein Santa Maria. Auf der Plattform vor der Kirche wird man mit einem tollen Rundblick für den nicht einmal besonders strapaziösen Aufstieg belohnt. Leider noch wolkenverhangener, aber voilà:


Das Express-Panorama von Santa Maria — zum Vergrössern aufs Bild klicken!

8 Landregen in Iseo

Wieder unten am Kirchenhügel und zurück auf dem Bergrücken, der den Malcantone von der Region Lugano trennt, begann es zu regnen. Und Frau Frogg war mir dankbar, dass ich neben einem Regenschutz auch einen Regenschirm dabei hatte.

9 Sturzbäche in Aranno

Was in Iseo noch als harmloser Landregen begonnen hatte, wuchs sich bis Aranno zu einem veritablen Frühlingsgewitter mit Hagel aus. Die Dorfstrasse verwandelte sich im Nu zum Dorfbach — die Verkehrskegel von der nahen Baustelle gingen buchstäblich den Bach runter. Wir nahmen das Postauto nach Cademario, tranken einen Coretto con Grappa, nahmen das nächste Postauto nach Breno, von wo wir Autostopp nach Arosio machten, weil in Breno die Dorfbeiz zu war…

10 Variante mit Schifffahrt

Bei schönerem Wetter hätte mich der Abstieg nach Magliaso und die Schiffahrt von Caslano nach Ponte Tresa und zurück nach Lugano gereizt. Bei einer früheren Gelegenheit haben wir das schon einmal gemacht:


Quelle: Società Navigazione del Lago di Lugano

Die Schifffahrtsgesellschaft auf dem Lago di Lugano führt die Crociera Panoramica dieses Jahr vom 1.4. bis am 21.10. durch: Caslano ab 15.28, Lugano an 17.30, Rückfahrt nach Arosio mit dem Postauto (Umsteigen in Lamone-Cadempino). Bei schönem Wetter ist das eine tolle Kreuzfahrt, die wir nur empfehlen können.

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