Die zweite Etappe unserer Vierwaldstätterseewanderung führte uns nicht — wie der Volksliedtext im Titel suggeriert — von Luzern, sondern von Küssnacht nach Weggis. Im Lied heisst es weiter: „… bruucht me weder Strömpf no Schueh“ — kein Wunder, denn der Autor und Komponist des Lieds war 1832 mit dem Schiff unterwegs. Wir hingegen brauchten für unsere Auffahrtswanderung sehr wohl Strümpfe und Schuhe.

Stichwort 1: Hohle Gasse
Gestern war Frau Frogg nicht gut im Strumpf und schon gar nicht Wanderlaune: Wandern ist blöd, befand sie. Dennoch waren wir schon um halb zehn da, wo unsere erste Etappe geendet hatte: In Küssnacht am Rigi. Die hohle Gasse wollte sie partout nicht besuchen — da gäbe es nichts zu sehen, meinte sie misslaunig. So verzichteten wir halt auf den Besuch des sagenumwobenen Hohlwegs.

Der Ort, wo nach der Legende Wilhelm Tell den Landvogt Gessler erschossen hat, wurde in den 1930er Jahren beinahe durch den Bau einer Strasse zerstört. Die Schuljugend sammelte 103’000 Franken, ermöglichte den Bau einer Umfahrungsstrasse und rettete so die Gedenkstätte. Seither ist die Schweizer Schuljugend Eigentümerin der Hohlen Gasse. www.hohlegasse.ch

Etappe 2: Küssnacht – Hertenstein – Weggis


Unsere 2. Etappe entspricht zu zwei Dritteln der 2. Etappe des Waldstätterwegs (grün). Bis Vitznau sind es 5 h 45 min, bis Weggis etwa 3 h. Von Hertenstein bis Weggis folgten wir nicht der offziellen Route, sondern der Uferstrasse, was auch recht interessant war.

Stichwort 2: Mildes Klima
Dank der ausgleichenden Wirkung des Sees ist das Klima rund um den Vierwaldstättersee, vor allem an den Südlagen, deutlich milder als sonstwo in der Zentralschweiz. Dank den Palmen, die hier gedeihen, haben die Einfamilienhausquartiere an diesen privilegierten Lagen denn auch einen südländischen Touch. Eine Nobelvilla in Weggis mit Seeanstoss und Palmengarten heisst sinnigerweise „Palm Beach“.

Auch die Edelkastanie ist wärmeliebend: Diese submontan-mediterrane Baumart braucht gemäss Wikipedia eine Jahresmitteltemperatur zwischen 8 und 15 Grad, warme Herbste und mindestens sechs Monate über 10 Grad. Für eine gute Entwicklung benötigt sie eine Wärmesumme der Tagesmittelwerte von 3600 Gradtagen. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet ist südlich der Alpen und Pyrenäen, in der Schweiz liegt ihr Schwerpunkt im Tessin (über die Kastanien im Tessin habe ich hier schon geschrieben). Daneben kommt sie im Jura, um den Genfersee, im Wallis, am Vierwaldstättersee und am Zugersee vor. Das „Kastaniendorf“ Greppen versucht die lange vernachlässigte Kastanienkultur wiederzubeleben — mit einer Chestene-Chilbi und der 2000 gegründeten IG Pro Kastanie Zentralschweiz (von da auf die alte Homepage weiterklicken!), die sich in der Folge um die Pflege und Erforschung der verbliebenen Kastanienhaine kümmerte. Pro Kastanie Zentralschweiz lancierte in Zusammenarbeit mit der Vereinigung Pro Rigi auch den Chestene-Weg von Küssnacht nach Brunnen, der routenmässig zum Teil mit dem Waldstätterweg zusammenfällt, aber noch nicht fertiggestellt und internetmässig dokumentiert ist.

Kastanienhaine in der Zentralschweiz — Übersichtskarte aus dem Schlussbericht zum Verbundprojekt Kastanienhaine Zentralschweiz 2008 – 11 (zum Vergrössern anklicken)

Stichwort 3: Mildes Steuerklima
Auch im übertragenen Sinn ist das Klima am See milder: Wie die Karte zeigt, sind die Steuern in den Luzerner Gemeinden am Sempacher- und am Vierwaldstättersee deutlich tiefer als in anderen Gemeinden des Kantons.

Die steuergünstigsten Gemeinden im Kanton Luzern mit ihren Gemeinde-Steuerfüssen von 2014 — von den 7 Gemeinden mit einem Gemeinde-Steuerfuss von unter 1.6 Einheiten sind 2 am Sempachersee und 4 am Vierwaldstättersee. Nur Eschenbach liegt nicht an einem See. Quelle: LUSTAT (zum Vergrössern anklicken)

Es ist schon krass, dass jemand der in einer Gemeinde mit dem Maximalsteuerfuss von 2.4 Einheiten zweieinhalb mal soviel Gemeindesteuern bezahlen muss wie in der Bonzengemeinde Meggen, wo viele Reiche für ein mildes Steuerklima und einen mit 0.978 Einheiten rekordtiefen Steuerfuss. Luzern lag übrigens 2014 mit 1.85 Einheiten leicht unter dem kantonalen Durchschnitt von 1.883, während die Steuerbelastung in Greppen mit 1.95 Einheiten trotz See etwas über dem Schnitt war.

Fazit
Vo Küssnacht gäge Wäggis zue bruucht me doch Strömpf und Schueh. Und ich liess mir von Frau Froggs Misslaunigkeit diesen interessanten Abschnitt unserer Seeumwanderung, den ich bis jetzt nur vom Schiff aus kannte, nicht verderben. Eine Landschaft zu erwandern ist halt doch noch etwas anderes als sie an backbord vorbeiziehen zu lassen.

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