Fasziniert vom Blick aufs Maggiadelta wollte Frau Frogg von der Mündung in den Lago Maggiore bis zur Quelle wandern — aus verschiedenen Gründen blieb es bei der ersten Etappe, die uns über Ponte Brolla nach Gordevio führte. Eine emfehlenswerte Wanderung mit Tücken als Bildergeschichte.

Und das ist die Wanderroute alles der Maggia entlang von der Mündung bis zur Quelle, erste Etappe. Die Zahlen auf der Karte (die sich durch Anklicken vergrössern lässt) entsprechen den Zahlen in den Bildlegenden.

Die Tücken dieser Wanderung: Der Uferweg auf der Ostseite der Maggia ist zwar schön und abenteuerlich, endet aber etwa bei Roncascio (etwas nördlich von 3) im Nichts. Eine hilfreiche Hausbesitzerin liess uns durch ihren Garten auf die Strasse hochsteigen, wo uns nichts anderes übrig blieb, als einen Kilometer auf der viel befahrenen Strasse nach Ponte Brolla (4) zu wandern. Brauchbare Alternativen sind gestrichelt eingezeichnet, ein anderes Mal würden wir wahrscheinlich auf die Westseite der Maggia wechseln. Grundkarte: map.geo.admin.ch

Faszinierend an dieser Wanderung ist zunächst die grosse Weite am See und auf dem Delta. Dann rücken die Hügel und Berge immer näher und das Tal verengt sich. Und nur ein halber Kilometer oberhalb der Felsschwelle bei Ponte Brolla weitet sich das Tal wieder und bietet der Maggia viel Platz für Mäander und Sandbänke.

(5) Die Ex- Eisenbahnbrücke am Eingang des Maggiatals ist heute ein Fussgängersteg.

(5) Die ehemalige Eisenbahnbrücke am Eingang des Maggiatals ist heute ein Fussgängersteg — und ein verkehrshistorisches Monument.

Abgesehen von dieser rostigen Brücke stösst man im Maggiatal auf viele weitere Überreste der 1965 stillgelegten Ferrovia Locarno-Ponte Brolla-Bignasco: Tunnel und Brücken, Bahndämme und ehemalige Haltestellen. Mich nahm Wunder, was das für eine Bahn war und weshalb sie eingestellt wurde. Interessant: Als 1905 – 1907 die Schmalspurbahn nach Bignasco gebaut wurde, war die Maggiatalbahn die Hauptlinie, während die erst 1927 eröffnete Strecke Ponte Brolla – Intragna – Camedo – Domodossola eher sekundär war. Ein Jahrhundert später ist es genau umgekehrt: In die Centovallibahn, die dem Tessin als Verbindung ins Wallis dient, wurde investiert: Sie wurde in Locarno mit grossem Aufwand unter den Boden verlegt und erhielt neues Rollmaterial, die Maggiatalbahn hingegen verlor an Bedeutung, bis sie schliesslich ganz durch einen Bus ersetzt wurde — so ändern sich die Zeiten!

„La Valmaggina“ — wie das Bähnli liebevoll genannt wurde — stellte am 28. November 1965 ihren Betrieb ein. Von der letzten Fahrt vor ziemlich genau 50 Jahren gibt es ein nostalgisches Youtube-Video (!):


Valmaggina news hat sich die Mühe gemacht, den Amateurfilm ins Videoformat zu übertragen und auf Youtube hochzuladen. Der Film über die Valmaggina zeigt die letzte Fahrt von Locarno nach Bignasco aus der Führerstandsperspektive: Leute, die ein letztes Foto schiessen, eine Ziege auf dem Bahntrassee, die sich vom vorbeifahrenden Bähnli kaum beirren lässt, den schlechten Zustand der Talstrasse etc. — viel hat sich in den vergangenen 50 Jahren verändert. Diese wehmütige Hommage an eine stillgelegte Bahn hat sogar eine eigene Filmmusik und ist als verkehrshistorisches Dokument ein echtes Fundstück!


Oben: Schrottreifer Triebwagen Nr. 1 der stillgelegten Maggiatalbahn (2005 in Uster) — Unten: Eine Komposition der Centovallibahn bei Ponte Brolla

Fazit: Die erste Etappe der Maggiatal-Wanderung von der Mündung bis zur Quelle war interessanter als ursprünglich angenommen — vielleicht würde sich eine Fortsetzung doch lohnen!

⇒ Die rostige Eisenbahnbrücke der Valmaggina ist auch auf stories & places.

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