Als ich vor Jahren an einem Basler Kiosk Postkarten kaufen wollte, fragte mich die Kioskfrau: „Wänn Si e Güggli?“ Ich muss sie so verständnislos angeschaut haben, dass sie ihre Frage wiederholte. Schliesslich begriff ich: Sie wollte wissen, ob ich ein „Papierseckli“ wolle.

Basler und Baslerinnen werden sich ab dieser Geschichte ins Fäustchen lachen: So weit kommt’s, wenn einer mit Zürcher Dialekt in Basel Postkarten kaufen will. Bei solchen Dialektproblemen schafft jetzt der kleine Sprachatlas vom Orell Füssli Verlag Abhilfe. Mit 120 Sprachkarten zeigt der Atlas auf, wo man was wie sagt – z.B. für einen Papiersack:


Ob allerdings die Kioskfrau am Bodensee fragen würde, ob ich eine „Chuchere“ wolle, wage ich zu bezweifeln. Sicher ist nur, dass ich in diesem unwahrscheinlichen Fall ähnlich ghüüslet dreinschauen würde.

„Kleiner Sprachatlas der deutschen Schweiz“ (2. Auflage im Huber Verlag Frauenfeld) war mein Weihnachtsgeschenk an meine Liebste und – ich geb’s zu – ich habe auch meine Freude daran. Als Geograf kann ich meine Faszination für thematische Karten nicht verleugnen, wie regelmässige Leser und Leserinnen dieses Blogs sicher schon festgestellt haben.In diesem Sprachatlas überschneiden sich aber unsere Interessen perfekt: Ihr Interesse für Dialekt- und Soziolekt-Fragen und meine Freude an bunten und aussagekräftigen Karten. Hier noch ein Beispiel, das sehr schön zeigt, was ich meine und wie unglaublich vielfältig die Schweizer Dialektausdrücke für Löwenzahn sind:


Dem Löwenzahn sage ich übrigens „Chrottepösche“…

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