Im Eintrag ZHB Luzern: Kanton vs. Stadt vom 10. Januar 2013 habe ich das perfekte Chaos geschildert, das der Kantonsrat angerichtet hat. Gut möglich, dass mit der Abstimmung am 28. September über die Initiative zur Rettung der Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern der unsägliche Streit zwischen Kanton und Stadt sowie zwischen Finanzdepartement und kantonalem Denkmalschutz entschieden wird. Ebenso gut möglich, dass die ZHB eine Affaire à suivre bleibt.


Bildquelle: www.zhbluzern.ch

 

Was bisher geschah

Am 8.1.2013 teilt die Dienststelle Hochschulbildung und Kultur mit, dass sie auf Antrag der Denkmalkommission des Kantons Luzern die ZHB unter Denkmalschutz stellt. Die Leiterin dieser Dienststelle, Karin Pauleweit, hat sich diesen Entscheid nicht leicht gemacht: Sie hat aufgrund umfangreicher Abklärungen die Interessen abgewogen und schliesslich die Unterschutzstellung beschlossen. Doch wer dachte, dass damit das Drama um die ZHB-Sanierung endlich zu Ende ist, lag weit daneben.

Am 5.2.2013 reicht die Dienststelle Immobilien, die Finanzdirektor Schwerzmann unterstellt ist, beim Bildungs- und Kulturdepartement Beschwerde dagegen ein, dass die ZHB unter Denkmalschutz gestellt wurde. Auch Kantonsrätin Andrea Gmür-Schönenberger (CVP) und fünf weitere Kantonsratsmitglieder reichen eine Beschwerde gegen die Unterschutzstellung ein und verlangen, dass mit dem Entscheid über die Beschwerde zugewartet werde, bis ein Neubauprojekt vorliegt.

Am 20.2.2013 teilt Bildungs- und Kulturdirektor Wyss mit, dass er das Beschwerdeverfahren sistiere, bis ein konkretes Neubauprojekt vorliege und die planungs- und baurechtliche Situation geklärt sei. Bis dahin werde die ZHB auch nicht ins Denkmalverzeichnis eingetragen. Mit diesem Entscheid drückt sich Reto Wyss um ein klares Bekenntnis zum Denkmalschutz.

Am 1.7.2013 reichen die SP und die JUSO Kanton Luzern sowie der Freundeskreis der ZHB die Petition „für eine zügige Sanierung der ZHB“ bei der Staatskanzlei ein. Innert kürzester Frist haben beinahe 2000 Personen unterschrieben — ein deutliches Signal an den Kantonsrat, sollte man meinen.

Am 4.9.2013 doppeln die Grünen und die Jungen Grünen der Stadt Luzern nach: Sie reichen die von 1165 StimmbürgerInnen unterschriebene Initiative zur Rettung der ZHB Luzern ein. Diese Initiative, die jetzt zur Abstimmung kommt, verlangt, dass Luzerns Stadtregierung und Parlament den Abbruch der ZHB planungsrechtlich verunmöglichen.

Am 14.11.2013 ruft der Bund Schweizer Architekten Zentralschweiz die KollegInnen auf, den Architekturwettbewerb für den Neubau der ZHB und des Kantonsgerichts am heutigen Standort der Zentral- und Hochschulbibliothek im „Vögeligärtli“ zu boykottieren und weder als Juroren noch als Teilnehmende mitzumachen — ein Aufruf, der insbesondere die CVP-Kantonsräte in Rage bringt.

Am 24.11.2013 bewilligt das Luzerner Stimmvolk mit 54.7% Ja einen Sonderkredit von 28.8 Millionen Franken für den Bau eines neuen, modernen ZHB-Aussenlagers in Büron. Dieses teilautomatisierte, klimatisierte Hochregallager, das 2015 den Betrieb aufnimmt und auch von Bibliotheken aus den Kantonen Zürich, Aargau, Basel und Solothurn mitbenutzt wird, löst eines der Probleme der Zentral- und Hochschulbibliothek: die Lagerung der wachsenden Bestände.

Am 6.2.2014 berichtet die Neue Luzerner Zeitung über die Schwierigkeiten der kantonalen Dienststelle Immobilien, Fachleute für die Jury des Architekturwettbewerbs zu gewinnen (vgl. Dringend gesucht: Eine Jury). Zitat vom zuständigen Finanzdirektor Schwerzmann: „Ohne Jury kein Wettbewerb.“ Erfreulich, dass der Boykott der Fachverbände Wirkung zeigt.

Am 30.7.2014 stellt die NLZ fest, dass das Neubauprojekt für die ZHB noch keinen Schritt weiter ist (vgl. Zentral- und Hochschulbibliothek: Keiner will in die Jury). CVP-Kantonsrat und Bauunternehmer Aregger, der 2011 mit seiner „Schnäppchen-Bibliothek“ die bereits beschlossene ZHB-Sanierung gestoppt hat, ärgert sich über den Kanton, der es verschlafen habe, ein Projekt auszuarbeiten. Und CVP-Kantonsrätin Gmür-Schönenberger, die mit ihrem „ZHB-Kantonsgericht-Doppelpack“ dieses Trauerspiel mitverantortet, ärgert sich über den Boykott der Architekturverbände, denn so würden die Stadtluzerner über den Erhalt der ZHB abstimmen, ohne eine Alternative zu kennen. Was die beiden immer noch nicht wahr haben wollen, ist dass die Bevölkerung der Stadt Luzern KEINEN Neubau will.
Wollt Ihr den totalen Klotz?

Jetzt stimmen wir in der Stadt Luzern über die Rettung der ZHB ab, ohne die Alternative zu kennen. Halb so schlimm! Denn es ist nicht nötig zu wissen, wie der monströse Klotz, der anstelle der heutigen ZHB gebaut werden soll, im Detail aussieht. Es reicht zu wissen, dass die ZHB mit Kantonsgericht nur mit einem GAK, dem Grössten Anzunehmenden Klotz, zu realisieren ist, das heisst: „Die maximale Ausnutzung des Volumens einer Blockrandbebauung von rund 60’000 m3 durch eine Verdoppelung der heute bebauten Fläche und die Ausschöpfung der vollen möglichen Gebäudehöhe würde genügend Raum schaffen, um die ZHB und das Kantonsgericht unterzubringen.“ *)

Diese Grafik stammt ursprünglich aus der Antwort des Regierungsrats auf die Motion Gmür und wurde von der NLZ für den Artikel Wie der Kantonsrat Planungsleichen produziert adaptiert.

Mit einem wuchtigen JA verhindern wir, dass das Vögeligärtli, die grüne Lunge der Stadt, von einem monströsen GAK beeinträchtigt wird.

Mit einem wuchtigen JA helfen wir, die schutzwürdige Bibliothek zu erhalten, indem ihr Abbruch verunmöglicht wird. Vielleicht kann sich dann auch Bildungs- und Kulturdirektor Reto Wyss dazu durchringen, die ZHB ins Denkmalverzeichnis einzutragen, ohne dass ein konkretes Neubauprojekt vorliegt.

Schliesslich ist zu hoffen, dass mit einem wuchtigen JA die Kantonsräte zur Einsicht kommen, dass mit Frau Gmürs Luftschloss kein Geld gespart wird, sondern unnütz Geld ausgegeben wird für die Planung und für teure rechtliche Auseinandersetzungen ohne realistische Chancen, dass dieses Projekt je umgesetzt wird. Es ist höchste Zeit, dass der Kantonsrat wieder einen Sinn fürs Machbare entwickelt und die aufs Eis gelegte und längst überfällige Sanierung der ZHB rasch an die Hand nimmt, damit diese grotesk anmutende Affaire à suivre doch noch zu einem vernünftigen Ende kommt.

Und der CVP der Stadt Luzern ist ein Präsidium zu wünschen, das nicht wie Frau Gmür-Schönenberger gegen die Interessen der Stadtbevölkerung politisiert.

Deshalb: ein WUCHTIGES JA FÜR DIE RETTUNG DER ZHB LUZERN!

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*) vgl. Antwort der Regierung auf die Motion 219 von Andrea Gmür-Schönenberger vom 23.10.2012. In dieser Antwort beantragte die Regierung übrigens die Ablehnung der Motion, weil sie befürchtete, dass deswegen das Kantonsgericht an zwei anderen Standorten, die damals evaluiert wurden, nicht mehr realisiert werden kann.

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