Am Freitag zeigt Charlotte Wittmer im Kreuz Solothurn „Bränte“ — eine musikalisch-theatralische Geschichtencollage rund um Milch, Milchkannen und Molkerei. Doch was um Himmels Gotts Willen ist eine Bränte?

Also: Gemäss kleinem Sprachatlas der deutschen Schweiz ist eine Bränte ein Rückentraggefäss für den Milchtransport. „Vor allem auf der Alp, bei einer Produktion von mehr als 10 – 15 l, aber auch im nichtalpinen Gebiet, wurde die Milch in der Regel in nierenförmigen Rückentraggefässen mit Deckel transportiert. Dabei verwendete man anfänglich hölzerne, später metallene Modelle.“ Doch dieses Milchtransportgefäss heisst nicht überall gleich: In der östlichen Hälfte der Deutschschweiz ist es eine Tause, in der westlichen eine Bränte. Der „Bränte-Tause-Graben“ verläuft mehr oder weniger östlich der Reuss von Norden nach Süden, gut zu sehen auf dieser Karte:

Quelle: Orell Füessli Verlag, Kleiner Sprachatlas

Ab etwa 1910 wurde die Bränte/Tause zunehmend rascher durch die Milchkanne ersetzt, die auf einem Karren, Handwagen oder im Winter auf einem Schlitten transportiert wurde. „Die Verdrängung des Rückentraggefässes wurde dadurch beschleunigt, dass die Transportart auch eine deutliche soziale Markierung erhielt: Wer die Milch trug, war ein Kleinbauer, wer sie fuhr, ein Grossbauer.“ Interessant sind auch die weissen Flecken auf der Karte: Sie zeigen, dass zur Zeit der Erhebung in 1940/50er Jahren in den Städten bereits kein entsprechendes Wort mehr bekannt war.

Und wie sieht eine Bränte aus?

Mit dieser Bränte, fotografiert von  babu, wird auf der Silberhornhütte im Jungfraugebiet keine Milch, sondern Schnee zum Schmelzen transportiert.

Mit dieser Bränte wird auf der Silberhornhütte im Jungfraugebiet keine Milch, sondern Schnee zum Schmelzen transportiert. babu

Das Promomaterial von Charlotte Wittmer für die Aufführung von "Bränte" zeigt keine Bränte, sondern Milchkannen.

Das Bild aus dem Promomaterial von Charlotte Wittmer für die Aufführung von „Bränte“ zeigt keine Bränte, sondern Milchkannen.www.charlottewittmer.ch

Charlotte Wittmer ist die eine Hälfte des Frauenduos Kapelle Sorelle. Sie ist als jüngstes von sieben Kindern in der Dorfmolkerei von Niedererlinsbach im Kanton Solothurn aufgewachsen. Ihre Erlebnisse im bäuerlichen Umfeld und die Erinnerungen an den Molkereibetrieb bilden den Ausgangspunkt für diesen gelungenen, musiktheatralen Soloabend rund um die Bränte.

Freitag, 11. März 2011, 20.30 Uhr
Kreuz Solothurn www.kreuzkultur.ch
Kritik der Premiere im ThiK Baden

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