Der Klotz auf der Luzerner Allmend ist nicht das erste würfelförmige Kunstwerk in der Schweiz, das Anstoss erregt. Anscheinend ist diese geometrische Form anstössiger als andere. Warum?

WuerfelKlotzFelix Kuhns Klotz auf der Allmend ist nur das letzte Beispiel anstössiger Würfelkunst. Zahlreiche andere kubische Kunstwerke füllten ebenfalls die Leserbriefspalten. Der Klotz ist auch nicht das erste Kunstwerk das einen politischen Vorstoss der SVP provoziert.

Nachtrag vom 25.2.2014: Obwohl Der Klotz von Felix Kuhn den Wettbewerb gewonnen hatte, ist er immer noch nicht realisiert — und wird es wohl nie werden…

WuerfelKaba2011 will das Kunsthaus Neuenburg am Hafen einen grossen schwarzen Würfel aufstellen, der aussieht wie die Kaaba in Mekka. Wie beim Klotz erhitzen sich die Gemüter schon im Voraus. Das in Samt gehüllte Werk „Cube“ vom deutschen Künstler Gregor Schneider sei keine Rekonstruktion des islamischen Heiligtums, aber die „Assoziation zur Kaaba und zum ’schwarzen Quadrat‘ als Grundform der modernen Kunst ist gewollt“. 2007 wurde diese Skulptur in Hamburg gezeigt, davor hatten die politischen Behörden von Venedig und Berlin ihre Aufstellung verhindert — aus Furcht, die religiösen Gefühle muslimischer Gemeinschaften zu verletzen. Quelle: www.tagesanzeiger.ch

WuerfelCubeNach einer 25-jährigen Odyssee landet die Skulptur „Cube“ des amerikanischen Minimal-Art- und Konzeptkünstlers Sol LeWitt (1928–2007) diesen Frühling im Zellweger-Park in Uster. 1984 – 86 war das Werk in Basler Merian-Park zu sehen, danach ging es als Geschenk an die Stadt Zürich, was ein sechsjähriges politisches Hin und Her um einen geeigneten Platz auslöste. Auch Gottfried Honegger und Max Bill mischten sich erfolglos in die Debatte ein. Zwei weitere Versuche der Walter A. Bechtler Stiftung, den „Cube“ in St. Gallen oder in Zug verliefen ebenfalls im Sand. Interessant ist die Dokumentation der Zürcher Standortsuche.

WuerfelExpo2002 diskutierte Toute la Suisse den schwimmenden Würfel von Jean Nouvel. Der Monolith wurde rasch zu einer Ikone der expo.02. Die einen verfluchten den 22 Millionen teuren Rosthaufen im Murtensee, die anderen waren derart angetan, dass sie nach dem Ende der Expo versuchten, das Wahrzeichen der Arteplage Murten vor seiner Verschrottung zu retten. Vier Vorschläge für die Weiterverwendung gingen ein, davon einer von der Glasi Hergiswil. Alle Rettungsversuche scheiterten jedoch und schliesslich wurde der Monolith verschrottet (vgl. Monolith schrumpft Stück für Stück).

WuerfelShoaAm meisten Furore machte jedoch ein anderer Rostwürfel: „Shoah“ von Schang Hutter. 1998 war die Skulptur als letzte Station des Skulpturenwegs Grauholz vor dem Bundeshaus in Bern platziert, bis die Freiheits-Partei sie in einer Nacht-und-Nebel-Aktion mit dem Vermerk „Refusé“ wieder vor Schang Hutters Atelier ablud. Als „Shoah“ danach auf dem Zürcher Paradeplatz aufgestellt wurde, löste das wiederum heftige Reaktionen aus. Die SVP forderte auf dem Internet „Gleichbehandlung im Bewilligungsverfahren – nämlich schnell und unbürokratisch“ und versuchte so die Diskussion auf ein Nebengleis zu schieben. Danach war die Skulptur an verschiedenen Orten der Schweiz zu sehen, was aber nicht überall Kontroversen auslöste. Andererseits lehnten es die Städte Zug und St. Gallen ab, „Shoah“ aufzustellen. Ausführlich dokumentiert ist diese Geschichte auf: Shoah — ein Skulptur und ihre Auswirkungen.

WuerfelKreiselHinwilNicht anstössig ist hingegen dieser Würfel, der einen Kreisel in Hinwil ziert — er ist ja auch nicht rostig…

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