Nicht mehr lange, aber sehr zu empfehlen: Lee Krasner im Zentrum Paul Klee in Bern. Sie lebte von 1908 bis 1984, wusste zeitlebens, was sie wollte, und war davon nicht abzubringen. Freunde, Familie und Weggefährtinnen beschreiben sie als sarkastisch, streitlustig, einmalig, ehrlich und brillant. Als eine der wichtigsten Malerinnen der US-amerikanischen Nachkriegsmoderne war sie weit mehr als die Ehefrau von Jackson Polock.

Self-Portrait, um 1928 (Ausschnitt)

Diese Geschichte ist typisch für Lee Krasner: Als sie 1928 in die Aktklasse der National Academy für Design in Manhattan aufgenommen werden wollte, malte sie im Garten ihres Elternhauses auf Long Island dieses Selbstportrait. Doch die Leute von der Academy, erzählte sie gerne, hätten nur einen Blick auf ihr Gemälde geworfen und dann gemeint: „Da haben Sie einen üblen Trick gespielt — tun Sie nie wieder so, als ob sie im Freien gemalt hätten“. Nach ihrem Protest wurde sie widerwillig zugelassen, war aber mit der traditionellen Lehre der Akademie nicht glücklich und klagte über die „völlig sterile Atmosphäre eines dauerhaft erstarrten Mittelmasses“. (Katalog, S. 51)

Ständige Weiterentwicklung

Lee Krasner war ständig auf der Suche nach einer neuen Bildsprache, deshalb entwickelte sich ihr Werk in Werkgruppen. Hatte sie die Möglichkeiten einer Arbeitsweise einmal ausgelotet, brach sie zu neuen Ufern auf.

Little Images, 1946 – 1950

Collage Paintings, 1953 – 1956

„Wenn ich auf mich selbst zurückgreife, dann
sehe ich es gerne als eine Art Wachsen.“
Lee Krasner

Night Journeys, 1959 – 1960

Primary Series, 1963 – 1969

Palingenesis — Wiedergeburt

Palingenesis, 1971

Typisch Krasner: Anders als viele ZeitgenossInnen entwickelte sie nie einen „signature style“ — eine eindeutig wiedererkennbare künstlerische Handschrift. Diese Vorstellung habe sie als „erstarrt“ und „beunruhigend“ empfunden, steht in der Einleitung des Ausstellungsführers. Stattdessen experimentierte sie unablässig, griff dabei auf ihr eigenes Werk zurück, hinterfragte Bestehendes und entwickelte daraus neue Ausdrucksformen. Eines ihrer Hauptwerke heisst denn auch Palingenesis — und es ist kein Zufall, dass dieses Werk die Ausstellungsplakate ziert.

„Entwicklung, Wachstum und Veränderung
gehen weiter. Wandel ist Leben.“
Lee Krasner, 1972

Lee Krasner. Living Colour — eine inspirierende Ausstellung, die das Œuvre einer brillanten Künstlerin zeigt, die sich durch nichts, aber auch gar nichts von ihrem Weg abbringen liess.

Die Ausstellung im Zentrum Paul Klee in Bern ist noch bis zum 16. August zu sehen. Sie wird kuratiert und organisiert vom Barbican Centre, London, in Kooperation mit der Schirn Kunsthalle Frankfurt, dem Zentrum Paul Klee, Bern, und dem Guggenheim, Bilbao. Wer sich vorbereiten will, kann sich den Ausstellungsführer als PDF herunterladen oder sich das informative Digitorial der Schirn Kunsthalle Frankfurt anschauen. Toll gemacht ist auch der Ausstellungskatalog, der im Museumsshop erhältlich ist.

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