Wenn es eindunkelt, herrscht ab Mitte November in unserem Quartier ein Geknalle, das sich anhört wie eine Schiesserei. Wenn man nicht wüsste, dass es sich um Jugendliche handelt, die sich im Geislechlöpfe üben, würde man besorgt die Polizei rufen.

Als ich letzthin vor Ladenschluss einkaufen ging, sah ich vier, fünf Geiselchlöpfer, die bei Flutlicht auf dem Hartplatz bei der Turnhalle die Geisel schwangen und trainierten, möglichst laute Knaller zu produzieren. Und es tönte wie eine Abrechnung zwischen zwei Mafiaclans.

Geislechlöpfe ist ein Brauch, der im Zusammenhang mit dem Samichlaus steht. Das Klausjagen in Küssnacht gilt als einer der imposantesten Nikolausbräuche weltweit und wurde deshalb für die Unesco-Brauchtumsliste vorgeschlagen. Den Auftakt zum Küssnachter Umzug, der jeweils Zehntausende anzieht, machen die Geisselchlepfer:


Youtube-Video von lidoLZ

Aber auch im städtischeren Umfeld ist die vorweihnächtliche Geiselknallerei in der Zentralschweiz ein verbreitetes und nervendes Hobby:


Youtube-Video von SwissMauch

Mit St. Nikolaus endet auch die Geiselknallerei — in unserem Quartier sind jedenfalls nur noch vereinzelte Knaller zu hören…

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