Seit Blocher die Basler Zeitung beraten soll, ist in Basel der Teufel los. Die Basler und Baslerinnen beginnen sich gegen die SVPisierung der Medienlandschaft zu wehren – auf www.rettet-basel.ch haben über 17’000 Personen einen Aufruf unterzeichnet und stündlich werden es mehr. Aber was hat dieser Aufstand mit Luzern zu tun?

Gestern habe ich im Zug nach Luzern eine Basler Zeitung (BaZ) in die Finger bekommen. Im Kulturteil war unter dem Titel „Basler Trauma – Zeitungsgeschichte(n)“ eine interessante Analyse von Daniel Wiener, Journalist, Ökologe und Kulturmanager, zu lesen. Im Kern geht es in seinem Artikel um die Folgen der Zeitungsfusion von 1977, als die National-Zeitung und die Basler Nachrichten zur BaZ fusioniert wurden. Er schreibt: „Die Fusion wurde und wird von der Region Basel als Trauma erlebt. 1977 ging etwas Unwiederbringliches verloren, das von links bis rechts auch heute noch vermisst wird. Die Fusion ist eine Leiche im Keller der kollektiven Basler Psyche.“

Irgendwie kommt mir das bekannt vor: Als ich vor gut zehn Jahren nach Luzern kam, ist mir als Zürcher schon bald einmal das allgemeine Wehklagen über das Quasimonopol der Neuen Luzerner Zeitung aufgefallen. Dieses weit verbreitete Gejammer, das einhergeht mit dem Lob früherer Zeiten, als in Luzern noch drei Tageszeitungen erschienen, hat bis heute nicht nachgelassen. Mir scheint, auch Luzern hat aus der Fusion des konservativen Vaterlands mit dem liberalen Tagblatt (1991) und dann mit den Luzerner Neusten Nachrichten (Ende 1995) ein kollektives Trauma davongetragen.

Man müsste in Daniel Wieners Analyse des kollektiven Traumas „Basel“ und „BaZ“ mit „Luzern“ und „NLZ“ ersetzen, dazu ein paar Zeitungsnamen und Jahreszahlen austauschen und nur noch wenig würde fehlen, dass Wieners Beschreibung auch auf Luzern passt.

Ganz unterschiedlich hingegen sind die Investoren: Während in Luzern die NZZ-Gruppe zu 80% das Sagen hat, sind es in Basel der Financier Tito Tettamanti (75%), der Medienanwalt Martin Wagner (25%) und ihr „wirtschaftlicher“ Berater Christoph Blocher. In Luzern nimmt die NZZ inhaltlich nur wenig Einfluss, in Basel aber ist tatsächlich zu befürchten, dass Tettamanti, Blocher & Co. sich viel stärker einmischen – der Basler Aufruhr ist deshalb mehr als verständlich. Frage: Würde man auch die Investoren und Berater von NLZ und BaZ vertauschen, gäbe es dann auch im medientraumatisierten Luzern einen solchen Aufstand?

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