Dass die Türken 1683 unter Führung von Grosswesir Kara Mustafa Wien belagerten und nach ihrer Niederlage in der Schlacht am Kahlenberg (Wikipedia) überstürzt flüchten mussten, hat Folgen bis heute.

Halbmond und Stern
Halbmond & Stern
Seit 1519 bestand die Turmbekrönung des Stephansdoms aus Halbmond und Stern, doch erst drei Jahre nach der Vertreibung der Türken wurde sie endlich durch ein Kreuz ersetzt (vgl. Mitteilungsblatt des Wiener Domerhaltungsvereins). Der Turm war zwar kein Minarett, aber der Schmuck der Turmspitze doch recht irreführend…
Die Pummerin
Und dank den schweren Kanonen, die die Ottomanen zurückgelassen hatten, war genügend Bronze da, um die 22.5 Tonnen schwere alte Pummerin, weltweit die zweitgrösste freischwingend läutbare Glocke in einem Kirchturm, zu giessen. Welch Ironie der Geschichte, dass die „Stimme Österreichs“ aus türkischer Bronze besteht.
Kaffeegeschichte
Doch die vielleicht wichtigste und nachhaltigste Hinterlassenschaft des Schwarzen Mustafa ist der Kaffee. Auch die damit verbundene Legende ist sackstark:
«Man schreibt den 12. August 1683. Die Türken greifen mit aller Vehemenz die Stadt Wien an. Die heldenhaften Wiener unter der Führung Graf Starhembergs können den Ansturm noch einmal abwehren. Doch mit einem Schlag ist deutlich geworden, wie gefährlich die Lage der umzingelten Stadt ist. Man braucht Hilfe. Es wird ein Wiener Namens Georg Franz Kolschitzky auserkoren, als Bote Hilfe von Karl von Lothringen zu erbitten. Dieser war es, der zusammen mit Polenkönig Jan Sobjesky, die Türken tatsächlich vertrieb. Als Dank für seine Leistungen richtete Kolschitzky an die Stadtväter, die ihn nach einer Belohnung fragten, einen anscheinend bescheidenen Wunsch: Er wünschte sich, die zurückgelassenen Kaffeesäcke aus dem Heereslager der Türken und ein Haus, wo er als erster Wiener dem Berufe des Kaffeesiedens nachgehen konnte. Dieses war das Haus zur blauen Flasche. Er röstete die grünlichen, unansehnlichen Bohnen, mahlte sie und goss kochendes Wasser darüber. So entstand ein Getränk – Kaffee genannt. Diesen Kaffee schenkte er zunächst mit mäßigem Erfolg aus, denn den Wienern schmeckte dieses bittere schwarzen Gesöff nicht. Durch ein Missgeschick gelangte eines Tages Zucker in die schwarze Brühe. Genau das fehlte dem Getränk. Ein paar weitere Experimente, etwas Milch in die Brühe, die Wiener Melange war geboren.» www.apfelstrudel.info
Die Wahrheit sei nüchterner, schreibt Siegfried W. Dörre von apfelstrudel.info weiter und rückt die Dinge wieder ins richtige Licht. Seine Geschichte des Kaffees in Wien und der Entwicklung der Kaffeehauskultur ist jedenfalls lesenswert.

Das Angebot an Kaffee ist immens vielfältig, wie die Bildersuche zur «Wiener Kaffeevielfalt» zeigt, wobei es sich eher um Microsofts globale Kaffeevielfalt handelt, was aber die Auswahl auch nicht einfacher macht…
Kaffeehauskultur
Seitdem die Türken den Kaffee nach Wien gebracht haben, wurde der Umgang mit dem bitteren Gebräu ständig verfeinert — und es entwickelte sich die Wiener Kaffeehauskultur. «Nirgends gibt es so viele Kaffeespezialitäten wie in Wien. Und nirgends werden sie so gepflegt wie in Wien», stellt Siegfried W. Dörre fest, um gleich eine Liste mit ausgesuchten Kaffeespezialitäten samt Erklärungen zu präsentieren: Von kleinen Braunen und Majestäten. In den Wiener Kaffeehäusern jedenfalls ist die Liste der Kaffeespezialitäten so lang, dass einem Nichtwiener die Auswahl schwerfällt. Beim Besuch im Café Mozart (seit 1794) ging es mir — angesichts des vielfältigen Angebots — bei der Kaffeeauswahl wie diesem Typen in einer Schweizer Versicherungswerbung:
Die Qual der Kaffeewahl im Versicherungswerbespot
Bialetti oder Clooney?
Angesichts dieser Kaffee-Multioptionengesellschaft bin ich froh, dass ich mich zu Hause nur zwischen Bialetti und Clooney entscheiden muss, weil: Türkischer Kaffee ist wegen des Aufwands nicht wirklich eine Option.




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