Während der Kultursaison habe ich zu wenig Musse, um Bücher zu lesen. Um so mehr lese ich in den Ferien. In die Türkei habe ich fünf Bücher mitgeschleppt — eigentlich genug Lesestoff für drei Wochen. Aber wegen der hohen Temperaturen sind wir weniger gewandert als geplant, deshalb drohte mir der Lesestoff auszugehen.

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Buchcover

Bis Üçağız hatte ich schon gelesen:

„Scheidung auf türkisch“ von Esmahan Aykol
Ein leichter Krimi, der in Istanbul und Umgebung spielt und so zu unserem Reiseland passt. Die Krimibuchhändlerin Kati Hirschel ermittelt in Konkurrenz zur Kriminalpolizei in einem ungewöhnlichen Todesfall — Sani hat in die Industriellenfamilie Ankaralıgil eingeheiratet, doch ihre Ehe steht unter einem schlechten Stern und nach nur wenigen Jahren wird die junge und schöne Umweltschützerin tot in ihrer Wohnung aufgefunden. Ungewohnt für einen Krimi ist der Umstand, dass fast bis zum Schluss unklar bleibt, ob es sich um Mord handelt. Während immer wieder neue Verdächtige ins Blickfeld von Kati Hirschel geraten und sich der Reihe nach als unschuldig erweisen, plätschert die Handlung leicht und locker dahin, ist aber sicher kein Thriller.

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„Geschichte der Schweiz“ von Thomas Maissen
Liest sich zwar manchmal wie ein Krimi, ist aber eine kompakte Darstellung der Geschichte der Schweiz. Ohne sich mit den Details aufzuhalten, schildert der Autor die Entstehung der Eidgenossenschaft, analysiert ihre ausserordentliche Kontinuität und warum sie trotz zahlreichen Bruchlinien nicht schon längst wieder auseinander gebrochen ist. Überzeugend dargestellt erscheinen viele historische Facts in einem neuen Licht — beim Lesen hatte ich einige Aha-Erlebnisse. Anders als unser Geschichtsunterricht im Gymnasium endet die Geschichte der Schweiz nicht mit dem 2. Weltkrieg, sondern in der Gegenwart. Maissen versucht, die Schweiz der Gegenwart mit der Geschichte der Schweiz zu erklären, und ich finde, das gelingt ihm ausgezeichnet und dazu in flüssigem Stil: Dieses Geschichtsbuch ist nicht nur für historisch Interessierte, sondern für alle, die das heutige politische System der Schweiz und seine Entwicklung verstehen wollen.

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„Lies und werde reich — Geschichten vom Geld“ von Al Imfeld
Ein Band mit lauter Kurzgeschichten und Kolumnen rund ums Thema Geld geschrieben von Al Imfeld, der im Luzerner Hinterland aufgewachsen ist, Theologie, Philosophie, Soziologie, Journalismus und Tropen-Landwirtschaft studiert und als Priester, Journalist und Entwicklungsexperte gearbeitet hat. Heute ist er v.a. Geschichtenerzähler und hat deshalb auch den Übernamen „Griot vom Napf“ bekommen. Seine Geld-Geschichten stammen aus ganz verschiedenen Kontexten, sind deshalb — obwohl es immer ums Geld geht — ganz unterschiedlich: mal lustig, mal traurig, aber immer süffig geschrieben. Zusammen ergeben die 26 Geschichten eine „kleine Ethnografie des Geldes“, die ich in einem Nachmittag weggelesen habe.

Da mein LeseMalstoff rapide zur Neige ging, lieh ich mir auf Anraten von Frau Frogg aus der Tauschbücherei unserer Pension das einzige brauchbare Buch in deutsch:

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„Der Malteser Falk“ von Dashiell Hammett
Dieser 1930 erschienene Kriminalroman (Inhalt und Kritik) ist wirklich „hard boiled“ und trotz seinem Alter auch in der deutschen Übersetzung immer noch spannend. Der stilbildende Roman mit dem unvergleichlichen Privatdetektiv Sam Spade wurde gleich dreimal verfilmt — „Die Spur des Falkens“ (1941) mit Humphrey Bogart in der Hauptrolle wurde gemäss Wikipedia zu einem Klassiker des „film noir“. Auch ohne Bogart vor Augen konnte ich das Buch kaum weglegen.

Da wir uns entschieden, eine Woche früher nach Hause zu fliegen (vgl. Verfrühtes Ferienende), musste ich mit dem Buch, das ich für die zweite Ferienhälfte aufgespart hatte, plötzlich pressieren:

Verblendung von Stieg Larsson

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„Verblendung“ von Stieg Larsson
Erst nach dem Tod des Autors erschien 2005 „Verblendung“ als erster Band der so genannten „Millenium-Trilogie“. Während eines Familientreffens verschwindet Harriet Vanger. Ihr Schicksal bleibt jahrzehntelang ungeklärt, bis der Journalist Mikael Blomquist und die Ermittlerin Lisbeth Salander recherchieren. Was sie zu Tage fördern, ist grauenhafter als das schlimmste Grauen. Dieses düstere, aber unglaublich spannende Buch ist ein „Pageturner“ und schlicht „unputdownable“. Die Frankfurter Neue Presse schrieb: „So spannend, dass Sie nicht mehr von aus dem Liegestuhl hochkommen.“ Wie wahr!

Im Zug vom Flughafen nach Luzern las ich die letzte von 688 Seiten. Und im Gepäck hatte ich noch ein ungelesenes Buch, das für die dritte Ferienwoche wohl kaum gereicht hätte.

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