Am 22. Januar feierte Luzern der Film — Kopf oder Zahl Premiere. Seither war der Dokumentarfilm über die Steuerstrategie des Kantons Luzern auf Tour durch den ganzen Kanton. Bis jetzt haben 1600 Personen den Film gesehen und diskutiert, am Ende werden es wohl 2000 sein. Am Samstag, 23. Februar, findet um 20 Uhr im Südpol eine Zusatzvorstellung statt — es ist vorläufig die letzte Chance, sich den sehenswerten Film noch anzuschauen. Hier kann man reservieren.

In Bezug auf diesen Film bin ich nicht ganz unbelastet, denn ich habe ihn via Crowdfunding mitfinanziert. Aber ich bin nur einer von unglaublichen 681 Funders, die zusammen sagenhafte 136’746.- Franken beigetragen haben, um den Film zu ermöglichen, nötig waren 120’000.-. Schon die Finanzierung ist also eine Erfolgsgeschichte, um so mehr als trotz Empfehlung von der vorberatenden Fachkommission der Kantonalen Filmförderung «Luzern – der Film» nicht mit Geldern aus der Filmförderung unterstützt wurde. Erstmals in seiner Amtszeit widersetzte sich der zuständige Regierungsrat Reto Wyss der Empfehlung der Fachkommission. Dies ist nicht gerade Zensur, aber der überaus peinliche Versuch, eine missliebige Meinung zu unterdrücken.

Unethisch sparen


Der Trailer der Produktionsfirma point de vue (2:39) zeigt recht gut, um was in diesem 80-minütigen Dokumentarfilm geht: Wegen seiner Tiefsteuerstrategie hat der Kanton Luzern chronisch zu wenig Geld und muss sparen. Nachdem das Stimmvolk die letzte Steuererhöhung abgelehnt hat — was halbwegs verständlich ist, wurde doch damals nur über eine Steuererhöhung für die natürlichen Personen, nicht aber für die im Kanton ansässigen Unternehmen abgestimmt — musste der Kanton den Gürtel noch enger schnallen.

Beispiel 1 für Luzerner Sparübungen: Die SchülerInnen der Kantonsschulen bekamen eine Woche mehr Ferien, die LehrerInnen weniger Lohn. Der Kanton sparte so vier Millionen.
Beispiel 2: Familien mit geringem Einkommen bekommen Prämienverbilligung, damit die Krankenkassenprämien in einem erträglichen Rahmen bleiben. 2017 reduzierte der Kanton nachträglich das Maximaleinkommen, das zum Bezug einer Prämienverbilligung berechtigt. In der Folge mussten 8000 Familien, die eh schon knapp dran sind, ihre bereits erhaltenen Verbilligungen zurückzahlen. Ich nenne das unethisch sparen. Und ich bin nicht der einzige, der das so sieht. Praktisch gleichzeitig mit der Filmpremiere hat das Bundesgericht den Kanton Luzern zurück gepfiffen und die unethische Sparübung gestoppt. Den Kanton kostet der Abbruch dieser Sparübung 25 Millionen Franken. Ganz recht!

«Luzern der Film — Kopf oder Zahl» geht das Thema sachlich und mehr oder weniger neutral an und lässt alle Seiten zu Wort kommen, denn das Ziel des Dokumentarfilms war nicht eine Polemik gegen das unethische Sparen im Kanton Luzern, sondern eine Grundlage für eine fundiertere Diskussion über die Steuerstrategie des Kantons Luzern zu liefern. Das ist dem Film gelungen, sogar der Kanton Luzern beteiligt sich an den Kosten für die Vorführungen im Kanton. Mir jedoch ist er zu brav geraten, er könnte die Folgen des unethischen Sparens ruhig ein bisschen drastischer darstellen.

Letzte Chance im Südpol

Am 23. Februar 2019 ist also vorläufig die letze Chance, «Luzern der Film — Kopf oder Zahl» noch zu sehen. Ich hoffe, dass der unaufgeregte, etwas brave, aber durchaus sehens- und diskussionswürdige Film noch ins Kino kommt und später dann auch im Schweizer Fernsehen zu sehen sein wird. Das Programm am Samstag, 23.2., im Südpol Luzern:

20:00 Uhr: Filmstart
21:30 Uhr: Podium mit Andreas Stäuble, Geschäftsleiter Luzern der Film, Lucas Zurkirchen, Präsident Jungfreisinnige Stadt Luzern, und Korintha Bärtsch, Grossstadträtin Grüne Luzern. Moderation: Lea Inderbitzin, Radio 3FACH.

Kopf oder Zahl im Lokalfernsehen

Der Film wird am 16. März 2019 um 20.20 Uhr auf Tele 1 ausgestrahlt.

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