In Üçağız, unserem nächsten Übernachtungsort, herrscht Krieg — Krieg der Köche. An der Hafenpromenade treibt der gnadenlose Wettbewerb zwischen den Restaurants seltsame Blüten: Hassan wirbt selbstsicher mit dem Slogan „Bester Koch vom Mittelmeer“, während sein Nachbar Ibrahim ihn mit „Beste Küche weit und breit“ noch zu übertreffen sucht.


Üçağız ist Ausgangspunkt für kürzere und längere Bootsausflüge, aber auch ein beliebtes Etappenziel für Segeltörns — nirgends habe ich mehr türkische Flaggen im Wind flattern gesehen wie bei diesen Bootsstegen.


Ob Hassan tätsächlich der beste Koch vom Mittelmeer ist, können wir nicht beurteilen, aber seine Mezeler (= Vorspeisen) sind ausgezeichnet. Noch überzeugender fanden wir jedoch das Vorspeisenbuffet unserer Pension Onur:


Mezeler à discrétion — eine Augenweide


Ich konnte mich gerade noch zurückhalten, mich ein zweites Mal zu bedienen, wollte ich doch noch ein bisschen Platz lassen für den Hauptgang.

Die Mezeler sind ein Hauptbestandteil der türkischen Küche. Fast immer sind sie so lecker, dass man den Hauptgang getrost weglassen kann, was auch viele TürkInnen machen — dazu trinken sie dann viel Rakı (Anisschnaps, der wie Raki, Ouzo und Pastis mit Wasser verdünnt wird). In der klassischen türkischen Küche sind 20 bis 30 Vorspeisen nicht selten. Sultan Mahmud I. (1696 – 1754) soll es sogar auf 72 Mezeler gebracht haben. Die gefüllten Auberginen, die İmam bayıldı (türkisch für „Der Imam fiel in Ohnmacht“) heissen, sind die Vorspeise mit der schönsten Legende: Als ein Imam (Vorbeter) dieses Gericht zum ersten Mal probierte, habe er es so köstlichen gefunden, dass er vor Entzücken in Ohnmacht gefallen sei.

Wir sind nicht in Ohnmacht gefallen und im Krieg der Köche auch nicht zwischen die Fronten geraten — abgesehen vom verbalen Kampf um Gäste könnte Üçağız nicht friedlicher sein:

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