Wie letztes Jahr waren wir am „Monte Mercedes“ in den Ferien, am Villenhügel ob Locarno mit traumhafter Aussicht auf den Lago Maggiore, auf die Magadinoebene und das Maggiadelta. Das ist vielleicht ein bisschen langweilig, dafür erholsam. Und: Man kann die gleichen Ausflüge, Wanderungen und Spaziergänge machen und dennoch Neues entdecken — zum Beispiel am Lungolago zwischen Locarno und Tenero. 2015 waren wir auf der Spuren des Reisenden Revoluzzers Bakunin, diesmal waren wir mehr auf kulturhistorischer Mission.

Unmittelbar hinter dem Bahnhof Locarno steht die Stiftskirche S. Vittore, eine der bedeutendsten romanischen Kirchen des Tessins, erbaut 1090 - 1110.

Unmittelbar hinter dem Bahnhof Locarno steht die Stiftskirche S. Vittore, eine der bedeutendsten romanischen Kirchen des Tessins, erbaut 1090 – 1110.

Der Lungolago, die Seepromenade zwischen Locarno und Tenero ist ein empfehlenswerter Spaziergang, der fast überall direkt am Ufer des Lago Maggiore entlangführt. Er ist mehr oder weniger autofrei, dafür eine beliebte Veloroute. Neu entdeckt haben wir diesmal die Collegiata di San Vittore, eine romanische Stiftskirche beim Bahnhof Locarno, hinter dem Abgang zur unterirdischen Endstation der Centovallibahn. Vom Kraftort mit 17’000 Bovis-Einheiten haben wir wenig gespürt, aber es ist ein eindrücklicher Sakralbau, ein Ort der Stille mitten im geschäftigen Locarno. Frau Frogg war fasziniert von den Kapitellen in der Krypta.

Die 1313 erstmals erwähnte Kirche von San Quirico thront auf einem Hügel oberhalb der Bahnlinie. Der romanische Turm wurde als Wachturm erbaut und erst später in einen Kirchturm umgenutzt.

Die 1313 erstmals erwähnte Kirche von San Quirico thront auf einem Hügel oberhalb der Bahnlinie. Der romanische Turm wurde als Wachturm erbaut und erst später in einen Kirchturm umgenutzt.

Das letzte Mal sind wir zwar an San Quirico in Minusio vorbeigekommen, haben aber die paar Schritte unter der Bahnlinie durch und den Kirchhügel rauf nicht gemacht. Der Lungolago ist eine einzige Freizeit- und Erholungslandschaft: Da sind Spaziergänger und Velofahrerinnen unterwegs, da tummeln sich Stehpadler und Seglerinnen auf dem See, da quatschen Frauen mit Kinderwagen in ihr Handy und da versuchen Herrchen ihre Hunde im Griff zu haben. Das gilt auch für den Park von San Quirico, allerdings ist da wesentlich weniger los — durch die Bahnlinie vom grossen Rummel getrennt ist die Stimmung kontemplativer und erholsamer. Der Abstecher auf die andere Seite der Bahn lohnt sich.

1873 kaufte der Anarchist Bakunin mit  Hilfe von Carlo Cafiero die Villa La Baronata (rechts oben) und beherbergte polizeilich gesuchte Revolutionäre.  Doch schon bald zerwarf er sich mit Cafiero.

Links die Wehranlage Cà di Ferro und rechts die Villa La Baronata, vorübergehend Wohnsitz des Anarchisten Bakunin.

Die Wehranlage Cà di Ferro ist nicht zu übersehen, bemerkenswert ist aber ihre ehemalige Funktion: Sie diente — wie meine letztjährige Recherche ergab — dem Urner Peter A Pro, einem Söldneroberst in französischen Diensten, als Anwerbungskaserne für Schweizer Söldner (Reisläufer). Diesmal sind wir mit historischem Bewusstsein an dieser „Gedenkstätte“ für ein düsteres Kapitel der Schweizer Geschichte vorbeispaziert.

Das letze Mal sind wir achtlos unter der Villa La Baronata durchspaziert, erst im Nachhinein habe ich rausgefunden, dass Bakunin, der Reisende Revoluzzer für kurze Zeit hier gelebt und Revolutionäre beherbergt hatte. Diesmal habe ich wenigstens von Ferne ein Foto gemacht…

⇒ Bilder unserer Tessinferien 2016 auf Instagram und nochmal auf Instagram
⇒ San Quirico (für den ganzen Lungolago) auf stories & places

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