Wer schaut sie nicht immer wieder gern, die Clips von gesprengten und in sich zusammenfallenden Hochhäusern, Fabrikschloten, Brücken etc.? Das Show-Down dauert nur wenige Sekunden, wird dafür meistens mehrmals zelebriert. Dann hüllt jeweils eine gewaltige Staubwolke das Geschehen ein und zurück bleibt ein riesiger Trümmerhaufen.

So ist es auch dem Sprecherhof, dem markanten Hochhaus kurz vor der Einfahrt in den Bahnhof Aarau, ergangen — es wurde in der Nacht auf Freitag gesprengt. Das Medienecho war schon im Voraus gross und entsprechend gross war auch der Aufmarsch an Schaulustigen:


75 Kilo Sprengstoff legen den 5000 Tonnen schweren Koloss aus Beton und Stahl in Schutt und Asche (Youtube-Video von webgardentv).

Der Zürcher Tagesanzeiger berichtete ausführlich über das Spreng-Spektakel. Die Zeitung brachte eine ganzseitige Vorschau und beleuchtete auf der Hintergrundseite sämtliche Aspekte der Sprengung des Rockwell-Hochhauses — von der Geschichte des Gebäudes und der damit verbundenen Firma Sprecher + Schuh über andere spektakuläre Sprengungen, die weltweit für Furore sorgten, bis zu den Details der geplanten Sprengung in Aarau.

Auf dem Hochhaus prangte lange Zeit das einprägsame Logo des Elektrounternehmens Sprecher + Schuh. Gemäss Historisches Lexikon der Schweiz verlegte die 1900 von Carl Sprecher und Hans Fretz gegründete Firma ihren Sitz 1901 nach Aarau und wurde 1902 — nach dem Firmeneintritt von Heinrich Schuh — in Sprecher + Schuh AG umbenannt. Das Aargauer Unternehmen, das von den Aargauern liebevoll „Schnorri + Schlarpi“ genannt wurde, florierte und expandierte. Anfang der 1980er Jahre geriet das börsenkotierte Unternehmen jedoch in finanzielle Schwierigkeiten. Es erfolgten mehrere Strategiewechsel und Umstrukturierungen, die schliesslich zu einer Aufteilung des Unternehmens in drei Bereiche führte, die einzeln verkauft wurden. Der Niederspannungsbereich ging an den US-Konzern Rockwell, der das Schnorri+Schlarpi-Hochhaus übernahm. Interessanterweise gibt es den Firmen- und Markennamen Sprecher + Schuh nach wie vor: Die in Houston, Texas, ansässige Firma vertreibt elektrotechnische Produkte in Australien, Neuseeland, Indien, Mexiko, Kanada und in den USA, aber nicht in Europa. Nicht ohne Stolz verkündet sie auf ihrer Homepage, dass ein Teil ihrer Produkte immer noch in Aarau hergestellt werden…

Der Tagi-Hintergrundbericht endet damit, dass der „Spreng-Künstler“ der Nation, Roman Signer, gute Sprengung wünscht. Letzlich mag die Sprengung des Schnorri+Schlarpi-Hochhauses ein toller Event für Schaulustige gewesen sein, doch bezüglich Poesie sind die Sprengungen von Roman Signer nach wie vor unübertroffen:


Kurzer Ausschnitt aus dem 1995 entstandenen filmischen Künstlerportrait Signers Koffer (Trailer) von Peter Liechti (auf Youtube hochgeladen von lyplo)

Share