Die Luzerner Galerie im Zöpfli zeigt Bilder mit abstrakt-konkreten Landschaften von Thomas Muff — schön, dass der Krienser Künstler wieder einmal zu einer Einzelausstellung kommt, sind doch seit seiner letzten grösseren Ausstellung in der Region Luzern fünf Jahre vergangen.

Thomas Muffs Bilder entstehen meist in zwei Phasen: einer abstrakten und einer konkreten. Die erste Farbschicht, die der Maler manchmal aus dezenten, oft aber aus leuchtenden Farben aufträgt, ist Ausdruck von kreativem Chaos: Es ist zwar nicht Action Painting, aber die Farben laufen runter, werden verschmiert, mischen sich. Es entsteht ein abstraktes Gemälde mit streifigen Strukturen, mit farbigen Schlingen und Schlaufen.

Auf diese abstrakte Grundlage projiziert der Künstler in einer zweiten Phase Fotos aus seinem Fundus und überträgt ausgewählte Elemente meist in dunklen Farben auf den farbigen Bildgrund aus der ersten Phase. Dabei entstehen konkrete Bildinhalte, die wie Scherenschnitte oder Schattentheater aussehen, streng-kontrolliert wirken und durch gezieltes Auswählen und Weglassen gleichzeitig eine witzig-verspielte Komponente einbringen. Während sich Thomas Muff in der ersten Phase bemüht, den chaotischen Prozess einigermassen unter Kontrolle zu halten, geht es in der zweiten Phase darum, die kontrollierte Strenge aufzubrechen.

Bis 2007 waren auch die Bildinhalte abstrakt: geometrische Formen wie Rechtecke, Kreise oder Kreuze. Seither wurden sie laufend konkreter, detaillierter und feiner — konsequenterweise sind mit der Konkretisierung der Inhalte Muffs Bilder nicht mehr O.T. sondern betitelt. Obiges Bild, mit Acryl und Öl auf Holz gemalt, trägt beispielsweise den Titel „Big China“ und erinnert entfernt an fernöstliche Landschaftsmalerei, die ja auch nie eine konkrete Landschaft abbilden, sondern immer Gefühle vermitteln wollte.

An der Vernissage vom letzten Donnerstag sprach Kunstvermittler und Ausstellungskurator Urs Sibler, der das Museum Bruder Klaus in Sachseln leitet, von der Bilderküche des Künstlers — eine sehr anschauliche Beschreibung des Ateliers und der Arbeitsweise von Thomas Muff. Über Malerei zu schreiben und zu reden ist ganz und gar nicht einfach, aber Sibler gelang es, auf eine recht sinnliche und treffende Weise ins Werk des Krienser Künstlers einzuführen.

Die abstrakt-konkreten Landschaften von Thomas Muff vermögen zu faszinieren, weil er es schafft, dass die Gegensätze abstrakt und konkret sich gegenseitig befruchten: Das Abstrakte wird konkretisiert — das Konkrete abstrahiert.

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