Auch in der dritten Ferienwoche kommen nostalgische Gefühle nicht zu kurz: Die grossartige Aussicht vom Hotel Stella, die Wanderung zum Pont del Sipp oder Ausflugsklassiker zum Monte Verità und den Isole di Brissago wecken schöne Erinnerungen. Manchmal aber ist die Erinnerung getrübt, wie mir auf einer Wanderung von Ponte Brolla nach Avegno klar wird. Und die Heimreise über die Gotthardbergstrecke ist immer wieder ein schönes Nostalgiereisli, das einem entgeht, wenn man durch den Basistunnel fährt.

Tag 15: Sonntagszmittag im Stella und schöne Blumen im Parco d’Orsellina

Tag 15: Ein ruhiger Sonntag
Ein Sonntagszmittag auf der Terrasse des Hotel Stella ruft nostalgische Gefühle hervor, denn von früheren Besuchen wissen wir, wie toll die Aussicht und wie zuvorkommend die Bedienung ist. Zu einem erholsamen Feriensonntag gehört ausserdem: Blumen bewundern im Parco d’Orselina, Brot kaufen in der Panetteria Cecchettin und Bücher lesen am Pool und unter dem Sonnenschirm.

Tag 16: Nostalgiewanderung von Contra via Pont del Sipp nach Orsellina

Tag 16: Wanderung über den Sentiero Collina alta
Unsere Wanderung von Contra über den Sentiero Collina alta nach Orselina ist eine nostalgische Wiederholungstat (vgl. Hügelwanderung in Etappen) — seit 2012 hat sich kaum etwas verändert. Es muss nicht unbedingt die ikonische Brücke von Lavertezzo sein, die romanische Bogenbrücke von 1750, die den Einheimischen, den Brionitt, nur als «Pont del Sipp» bekannt ist, tut’s auch. Sie hat zwar nur einen Bogen, aber dafür hat man sie für sich alleine…

Tag 17: Der Monte Verità und die Isole di Brissago — ein Klassiker

Tag 17: Der Monte Verità und die Isole di Brissago
Immer wieder schön ist mein Lieblingsausflug von Ascona auf den Monte Verità, dem Hang entlang nach Ronco, die Treppen runter nach Porto Ronco, dann mit dem Schiff auf die Isole di Brissago, Mittagessen und Besuch des botanischen Gartens, und dann mit dem Schiff zurück nach Locarno. Frühere Berichte über meinen Lieblingsausflug: Wahrheitsberg und Blumeninseln (2012) und Flower-Power revisited (2015). Seither haben wir den Monte Verità und die Isole di Brissago immer wieder besucht — sie sind ein Auflugsklassiker.

Tag 18: Im Norden heftige Gewitter, in Orselina versucht es zu regnen.

Tag 18: Es versucht zu regnen
Etwas Sehnsucht haben wir nach einem richtigen Tessiner Gewitter oder noch besser nach einem kräftigen Regen, der Kühlung bringen würde. Doch während es in der Nordschweiz heftig gewitterte, blieb es hier beim Versuch. In Orselina fiel gerade mal 1 mm. Dafür ist es merklich kühler als an den vergangenen Hitzetagen.
 

Tag 19: Happy Birthday Frau Frogg!

Tag 19: Alle wollen in die Sommerfrische
An Frau Froggs Geburtstag wollten wir mal was Neues machen: Wir planten, über Bignasco im Valle Maggia bis nach Fusio zu fahren, das ganz zuhinterst im Valle Lavizzara liegt. Da wollten wir talabwärts wandern und die von Mario Botta entworfene Kirche von Mogno besichtigen. Leider sind wir nicht die Einzigen, die an die Sommerfrische wollen — der Maggiatalbus ist so voll, dass wir unseren Plan verwerfen, in Ponte Brolla aussteigen und stattdessen eine Nostalgiewanderung nach Avegno machen (Mein Beitrag Von der Mündung bis zur Quelle von 2015 ist auch nostalgisch, zeigt er doch in einem Youtube-Video die letzte Fahrt der «Valmaggina» — das Bähnli stellte am 28. November 1965 den Betrieb ein). Am Abend dann feiern wir zusammen mit Nachbarn aus Luzern, die auch hier in den Ferien sind, den Geburtstag von Frau Frogg.

Tag 20: Didier Eribon kehrt nach Reims zurück und wir fahren ins Maggiatal.

Tag 20: «Rückkehr nach Reims» von Didier Eribon
Von Frau Frogg habe ich mir Rückkehr nach Reims von Didier Eribon ausgeliehen. Der französische Soziologe und Schriftsteller untersucht die Entfaltung der eigenen Homosexualität im Zusammenhang mit der politischen Kultur seines Herkunftsmilieus der nordfranzösischen Arbeiterschaft. Tagsüber lese ich dieses schonungslose, autobiografisch-politische Buch, das mal flüssig, mal anstrengend zu lesen, aber interessant ist und abends treffen wir im Maggiatal eine gute Freundin.

Tag 21: Nostalgische Heimreise nach Luzern über die Gotthard-Bergstrecke

Tag 21: Heimreise über die Gotthardbergstrecke
Und schon sind sie vorbei, die Sommerferien im Tessin — bleibt uns nur noch zu packen und heimzureisen. Aus Nostalgiegründen entscheiden wir uns für die Gotthardbergstrecke. Die Fahrt dauert zwar eine Stunde länger, ist aber schöner. Die Gotthardbahn fasziniert mich immer wieder, so dass ich schon mehrmals darüber geschrieben habe: z.B. in Rückreise von der Südschweiz (2013) oder in Der Gotthard-Hype (2016). Nebenstehendes Bild aus der Biaschina mit dem Autobahnviadukt und der alten Bahnlinie, das ich diesen Sommer bei den Kehrtunnels in der Leventina vom Zug aus aufgenommen habe, verbildlicht meine Faszination. Auch Frau Frogg ist von Gotthard-Nostalgie erfasst: Kürzlich schrieb sie eine Liebeserklärung ans Urnerland – und ein Kulturschock.

Fazit

Unsere Nostalgieferien in Orselina bleiben als erholsam und — trotz grosser Sommerhitze — als einigermassen erträglich in Erinnerung. Wir haben weniger unternommen, das warme Wasser im Pool genossen und viel gelesen. Mehr als in früheren Ferien im Locarnese, haben wir immer wieder mit Freunden und Bekannten abgemacht, um gemeinsam das Leben zu geniessen und der Nostalgia del Sud zu frönen. Schön war’s!